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Albanisches U-Boot sowjetischer Bauart der sog.Whiskeyklasse am Marinestützpunkt Pashaliman. Foto: BR | Michael Mandlik

Das streng geheime U-Boot-Versteck
Ein Hauch von James Bond

Wer als Urlauber an der südalbanischen Küstenstraße zwischen Saranda  und Vlora entlang fährt, der hat normalerweise Augen für die malerisch-schöne Landschaft und vielleicht noch für das alte Kastell des Ali Pascha aus dem 18.Jahrhundert in der Bucht Porto Palermo südlich von Himara. Kaum auffällig dagegen das Areal im gegenüber liegenden Küstenabschnitt mit herunter gekommenen Barracken und alten Militär-LKWs. Erst auf den zweiten Blick weckt ein merkwürdig symmetrischer Spalt, der in einen Berg hinein zu führen scheint, die Neugierde. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man schnell mehr: ein künstlicher Kanal, der zu diesem Spalt hin- bzw. aus ihm heraus führt; zwei Marineschiffe, die am Eingang vor dem Spalt vertäut sind und so den Eingang blockieren. Das riecht geradezu nach Geheimnis und tatsächlich war es das auch einmal bis Anfang der Neunziger Jahre in Albanien. Mehr noch: wer hier zu kommunistischen Zeiten beim Fotografieren erwischt wurde, dem drohte die Todesstrafe, wegen Landesverrats. Der merkwürdige Spalt in den Berg hinein war nämlich der Eingang zum wichtigsten U-Boot-Bunker der albanischen Marine im Mittelmeer. Von hier aus operierten die insgesamt vier taktischen U-Boote, zusätzlich war der Stützpunkt Rückzugsgebiet und gleichzeitig Wartungs- und Reparaturwerft für die submarinen Einheiten.

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Stahlbeton-Eingangstor zum albanischen U-Bootbunker bei Porto Palermo

Wie aus einem James-Bond-Film – das riesige massive Stahlbeton-Eingangstor zum U-Boot-Bunker.

Heute gewährt das albanische Verteidigungsministerium Journalisten auf Anfrage vereinzelt Zugang zu dem Areal, der Bunker selbst darf aber nicht betreten werden. Doch schon die Gelegenheit, sich unmittelbar bis an das mächtige Eingangstor des vormaligen, von den Chinesen erbauten U-Boot-Stützpunkts begeben zu dürfen, lässt die Kinnladen erst mal offen stehen. Sowas kennt man bestenfalls aus den frühen James-Bond-Filmen: Unter einer mindestens zehn Meter dicken Stahlbeton-Hülle ein an die acht Meter hohes und etwa ein Meter dickes, halbrundes Splitterschutz-Tor. Jeweils drei mannshohe Stahlscharniere halten die beiden zigtonnen schweren Betonflügel an den Wänden verankert. Dahinter verbirgt sich ein 650 Meter langer Kanal, Platz genug für die vier U-Boote der Whiskey-Klasse, dem zuletzt von den Sowjets in Albanien stationierten U-Boot-Typ.  Ein kleiner Spalt in dem wuchtigen Splitterschutztor und freundliche wie einsichtige albanische Marine-Soldaten erlauben schließlich doch ein Foto durch das geschlossene Tor in den heute leeren Stützpunkt hinein. Um die riesigen Dimensionen des unterirdischen U-Boot-Bunkers begreifen zu können, erlaubt uns die Armee schließlich auch noch die Besichtigung eines U-Boots der sogenannten Whiskey-Klasse im Marine-Stützpunkt Pashaliman, nahe der Küstenstadt Vlora. Das inzwischen ausrangierte Boot hatte seine letzte Tauchfahrt im Jahr 1997- unter albanischem Kommando. Denn den Sowjets war es nach dem ideologischen Bruch mit Albanien Anfang der sechziger Jahren nicht mehr gelungen, alle ihre in der Marinebasis Pashaliman stationierten 12 U-Boote von dort abzuziehen; so waren vier Stück der albanischen Marine verblieben.

Ein U-Boot-Veteran ist zur Stelle, um die massive Einstiegsluke an Deck des 76 Meter langen und 6,3 Meter breiten U-Boots zu öffnen. Hat man es über die steile Leiter ins Innere geschafft, findet man sich in einem vergleichsweise geräumigen Rumpf wieder. Jedenfalls anfänglich keine Spur klaustrophobischer Enge, wie sie etwa in Wolfgang Petersens Film „Das Boot“ mit der Geschichte einer deutschen U-Boot-Besatzung im zweiten Weltkrieg effektvoll in Szene gesetzt worden war. Die Vorstellung allerdings, in einer solchen Röhre und mit 52 Mann Besatzung über Wochen hinweg in einem Umluft-Gemisch aus Öl- und Schmierstoffdämpfen und  – sagen wir mal – steter Zufuhr biologischer Ausdünstungen – leben und arbeiten zu müssen, dämpft den Wunsch, an einer solchen Tauchfahrt teilnehmen zu wollen, dann letztlich doch. Beeindruckt ist man aber über die damals modernen Leistungen sowjetischer Militärtechnologie. Dieser U-Boot-Typ war nämlich in vielfältigsten Verwendungen einsetzbar und mit einer Tauchtiefe bis maximal 200 Meter ein sehr ernst zu nehmender Gegner der NATO-Marineverbände. Über die vier an Bord befindlichen Torpedorohre konnten Torpedos abgefeuert, ganze Minen-Reihen verlegt oder auch Kampftaucher für Aufklärungs- oder Sabotageaktionen ausgesetzt werden. Außerdem konnten unter Wasser ballistische Raketen – auch nuklear bestückte – abgefeuert werden. Ob speziell letztere Einsatzmöglichkeit mit taktischen bzw. strategischen Atomwaffen an Bord der Gesundheit der Besatzung während der oft langen Tauchfahrten förderlich war, darf wohl bezweifelt werden.

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'Making Of' - U-Boot-Bunker Albanien

Video: BR | Tamara Link

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