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Eine Fähre bringt zahlreiche Fahrzeuge über den Stausee ins 34 Kilometer entfernte Fierza. Foto: BR | Michael Mandlik

Reise in eine abgeschiedene Welt
Der Koman-Stausee

Über zwei Stunden muss man schon einrechnen, um von der nordalbanischen Stadt Shkodra mit dem Auto über eine mehrheitlich ziemlich rumpelige Bergstraße bis an die riesige, 115 Meter hohe Staumauer des Koman-Sees zu gelangen. So malerisch die Fahrt auf den Höhenzügen entlang des Flusses Drin ist: wer auf der sehr kurvenreichen und teilweise völlig ungesicherten Strecke öfter mal einen Blick in die tiefen Schluchten wagt, der hofft, dass alles ok ist mit den Bremsbelägen, der Bremsleitung, den Reifen und natürlich mit dem Fahrer.

 

Am Ende geht es schließlich neben der Staumauer in den Berg hinein, in einen engen Tunnel, der einem aber wenig später wie das Tor zu einem kleinen Paradies erscheint; denn plötzlich taucht der Koman-Stausee auf, mit hellgrünem Wasser und begrenzt von gewaltigen Steilfelsen. Wir sind allerdings nicht die ersten an diesem Tag an diesem Ort; eine Reihe von Kleintransportern, PKW und Motorrädern steht bereits in Reihe geparkt auf der engen Kaimauer. Deren Fahrer sitzen allesamt auf den Aussichtsterrassen der zwei an den Felsen angebauten Gebäude und trinken Espresso. Sie warten, wie wir, auf die Fähre, die sie von hier über den Stausee ins 34 Kilometer entfernte Fierza oder nach  Breg-Lum bringen soll. Dazwischen aber ist buchstäblich nichts außer der wilden Felsenwelt links und rechts des gestauten Drin-Flusses: keine Anlegestellen, keine Straßen, keine Infrastruktur.

Wir legen ab und fahren schon Minuten später durch eine Welt, die an Schönheit und Unberührtheit ihresgleichen sucht. Kaum mehr als 400 Meter breit ist der See, der sich an manchen Stellen bis auf 50 Meter verengt, begrenzt von vielen hundert Meter hohen Felswänden. Eine menschenleere Gegend, möchte man glauben; doch nach einer halben Stunde Fahrtzeit tauchen tatsächlich vereinzelt kleine Landzungen auf mit winzigen Häusern, ja sogar mit kleinen Siedlungen.  Zwischen den Häusern Weinstöcke, Getreide und Anbaureihen mit Gemüse – jeder Quadratmeter, der nicht als Wohnfläche dient, scheint hier landwirtschaftlich genutzt zu sein. Außerdem kleine Anlegestellen – hierher und auch von hier weg kommt man nur mit dem Boot über den Stausee.

Klingt im ersten Moment beschaulich oder gar romantisch. Ist es aber ganz sicher nicht; denn alles, wirklich alles muss mühsam über das Wasser an- und abtransportiert werden, bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit, ansonsten ist man hier auf sich allein gestellt – zwischen Felsschluchten und steinigen Seebuchten.

Eine kleine Ahnung davon vermittelt uns ein Gewittersturm, der tatsächlich wie aus dem Nichts auftaucht, mit tief ankommenden, grau-schwarzen Wolken, Blitz und Donner und einem Platzregen, der die fjordartige Landschaft plötzlich wie das Tor zum Hades, zur Unterwelt in der griechischen Mythologie erscheinen lässt. Bevor man gewahr wird, dass sich die Landschaft von jetzt auf gleich in einem ganz anderen und tatsächlich bedrohlich wirkenden Gesicht präsentiert, ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

Nach drei Stunden legen wir wieder an bei der großen Staumauer und gönnen uns gleich den Repräsentanten mediterraner Trinkkultur – eine Tasse importierten, heißen italienischen Espresso. Wenn jetzt dann bei der folgenden Rückfahrt durch das steile Drin-Tal die Bremsen, die Bremsleitung und die Autoreifen immer noch in Ordnung sind, dann war es ein guter Tag.

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Mit der Fähre über den Koman-Stausee

Video: BR | Michael Mandlik

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