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Die Londoner Tageszeitung 'Evening Standard' vom 24.06.2016 - Brexit groß als Titelgeschichte. Foto: picture alliance | dpa

Nach dem Brexit - Kommentar
Balkan in der EU-Warteschleife

Es war der Morgen nach dem Brexit. Ganz Europa wischte sich verkatert den Schlaf aus den Augen: War das zu glauben? Die EU ohne Briten? War das wahr? Oder nur ein Alptraum?

 

Ungarns Ministerpräsident Orban schickte gleich eine Warnung an Brüssel, die klang wie ein Brexit-Textbaustein, mit Copy and Paste nach Budapest kopiert. „Brüssel müsse den Menschen zuhören“. Die Flüchtlingspolitik sei schuld. Orban plant auch ein Referendum – über die Flüchtlingsquoten. Noch mal nachtreten, wenn die EU schon am Boden liegt. Schlechter Stil, aber weit verbreitet derzeit in der Europäischen Union.

 

Am gleichen Morgen beeilte sich Serbiens Außenminister Dacic, zu versichern: Serbien werde am EU-Pfad festhalten. Und Kosovos Präsident Thaci machte deutlich, wie viele Alternativen es für sein kleines Land gibt: Nämlich gar keine. Haben die beiden einfach die Tragweite des Brexit nicht begriffen? Oder glauben sie noch an die Strahlkraft der EU?

 

Es wird ein bisschen magisches Denken dabei sein. Sie haben noch das Beitrittsversprechen des EU-Gipfels von Thessaloniki 2003 im Ohr. Doch wenn Großbritannien aus der EU aussteigt, bedeutet das: 20 Prozent Einnahmen weniger für Brüssel – trotz Britenrabatt. Und das heißt klar: Die EU wird ärmer. Andere müssen die Lasten schultern. Die logische Folge liegt auf der Hand: Wer will da noch weitere krisenanfällige Länder vom Balkan in den Club holen? Länder, die erst einmal kosten werden. Das lässt sich derzeit niemand vermitteln. Zu sehr steckt den Westeuropäern noch die Griechen-Krise in den Knochen. Die Westbalkan-Länder bleiben also vorerst in der Warteschleife.

 

Das aber ist gefährlich. Denn der Balkan ist ein ethnischer Flickenteppich. Wer hier auf Nationalismus setzt, spielt mit dem Feuer. Das hat das vergangene Vierteljahrhundert gezeigt. Hinzu kommt: Araber, Russen, Amerikaner und Türken stecken schon längst ihre Claims in der Region ab. Dschihadisten sind eine Gefahr und je krisenanfälliger ein Staat, desto mehr Nährboden gibt es für junge Gotteskrieger. Und Moskau züchtet kräftig Spaltpilze. Die Stärke der Rechtspopulisten europaweit zeugt davon.

 

Die Europäische Union wird jetzt die Quadratur des Kreises wagen müssen: Den Brexit managen UND eine Balkan-Strategie entwickeln. Das sind zwei Seiten einer Medaille.

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Besuch von David Cameron bei Viktor Orban im Januar 2016 - ohne EU-Fahnen. Foto: BR | Attila Poth
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