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An den Stränden von Saranda. Foto: BR | Michael Mandlik

Im Süden Albaniens
Von Gjirokastra nach Saranda

Sadi Petrella ist ein Mann mit einem gutem Humor. „Es besteht noch Hoffnung“, sagt er und schmunzelt,“ …und gar nicht mal so wenig“. Seit die UNESCO im Jahr 2005 das südalbanische  Städtchen Gjirokastra zum Welt-Kulturerbe erklärt hat, seien die Leute wieder auf den Ort aufmerksam geworden, „zuletzt sogar die, die hier leben“, sagt er lachend und deutet auf die am Hang des Mali i Gjere -Berges gelegene Stadt. Als Direktor der Gjirokastra-Stiftung, einer NGO-Organisation, hat er inzwischen einiges bewegen können, um die historische Bausubstanz in der Altstadt retten und auch restaurieren zu können. Gjirokastra hatte gerade in kommunistischer Zeit eine Art Sonderstatus, war hier doch der übermächtige Partei- und Regierungschef Enver Hoxha geboren worden. Vermutlich ist es genau diesem Umstand zu verdanken, dass sich die sozialistischen „Fortschritts“-Planer deshalb nicht an die alte Bausubstanz gewagt haben und die üblich-häßlichen Plattenbauten nur in der Peripherie im Tal zu finden sind. Tatsächlich sind die grauen Stein-Bedachungen auf den schmucken Häusern für das Ortsbild so prägend, dass Gjirokastra den Beinamen „Stadt der Steine“ bekommen hat. Noch auffälliger aber ist die mächtige Festung, die über der Stadt thront. Sie ist allemal einen Besuch wert, denn man kann von hier aus einen atemberaubenden Blick auf das angrenzende Tal und die dahinter liegende mächtige Gebirgskette gewinnen. Im Inneren der Burg wiederum wird man mit der jüngeren Geschichte Albaniens konfrontiert: Kanonen und Haubitzen sowjetischer Bauart sind dort aufgereiht, auch einen kleinen Panzer haben Sie hochgekarrt. Der damaligen kommunistischen Propaganda war es wohl auch wichtig, ein Ende der vierziger Jahre in Albanien notgelandetes amerikanisches Militärflugzeug auf der obersten Freifläche der Burg zu drapieren – als Beutestück und Demonstration sozialistischer Überlegenheit über die kapitalistischen Aggressoren. Heute wiederum wirkt der inzwischen ausgeschlachtete Flugzeug-Rumpf aber so, als hätte er die Zeit bis zum Ende der kommunistischen Ära in Albanien an dieser Stelle mit traumhaft schönem Ausblick letztlich doch ganz gut überdauern können.

 

Von Gjirokastra zur Küstenstadt Saranda sind es nur noch knapp anderthalb Autostunden, doch man sollte sich hierfür mehr Zeit nehmen. Die sehr kurvenreiche Bergstraße ist nicht für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt, außerdem warten auch dort auf die Autolenker die üblichen Überraschungen in Form von Kühen, Ziegen und Schafen hinter unübersichtlichen Biegungen auf der Fahrbahn. Man muss tatsächlich derart konzentriert sein, dass man dann gar keine Augen mehr hat für die malerische Gebirgslandschaft, die sich im Verlauf der Fahrt immer wieder neu präsentiert.

Bei 37 Grad Außentemperatur kommt einem dann der erste Blick auf das Meer wie eine  Verheißung vor. Mit Erreichen der Küstenstadt Saranda hat man das Gefühl, man wäre in einer italienischen Adriastadt angekommen. Hotels, Strandbars, Touristenläden, Reihen von Liegen und Sonnenschirmen am Strand, Urlauber flanieren auf der Uferpromenade. Dass es dennoch Albanien ist, merkt man schnell an den vergleichsweise günstigen Preisen. Hotels, Abendessen, Speiseeis, der Espresso – alles wie in Italien, aber viel, viel preiswerter. Noch, denn Saranda ist auf dem besten Weg, einer der begehrten touristischen Hotspots an der ionischen Küste zu werden, wie sie sich im nördlicher gelegenen Kroatien binnen weniger Jahre entwickelt haben – auch preislich. Ein Bauboom hat die Stadt erfasst; überall schießen Strandhotels und -pensionen aus dem Küstenboden.

Waren bislang die Touristen vorwiegend aus Albanien, dem Kosovo, Griechenland und Italien, so sind jetzt viele Urlauber auch aus Skandinavien und Polen auszumachen. Deutsch hört man bislang jedenfalls nur vereinzelt. Manche reisen auch in Tagestrips von der benachbarten griechischen Insel Korfu an. Mit dem Tragflächenboot dauert das für die einfache Strecke 20 Minuten. Denn neben den günstigen Preisen lockt Saranda auch mit seinem vielleicht wichtigsten Kapital – den noch nicht überfüllten Stränden samt türkisblauem Wasser.

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