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Gjirokastra heißt auch die 'Stadt der Steine', weil die Häuser der Altstadt mit Steinplatten gedeckt sind. Foto: BR | Michael Mandlik

Im Norden und Süden Albaniens
Von Tirana nach Gjirokastra

Die journalistische Aufgabe lautet, eine Weltspiegel-Reportage über Albanien im Allgemeinen und die Situation der Menschen dort im Speziellen angesichts der gewaltigen Umwälzungen im Land anzufertigen. Keine leichte Aufgabe, denn tatsächlich ist Albanien ein Land im Umbruch, das gleichzeitig alle Anstrengungen unternimmt, um Mitgliedsland der EU zu werden. Seit dem Ende der Kommunistischen Ära und der Öffnung Albaniens in Richtung Westen ist sehr Vieles sehr viel besser geworden, anderes jedoch komplett schief gelaufen. So gab es etwa mit der plötzlichen  Reisefreiheit einen wahren Exodus vor allem der jüngeren Generationen in andere Länder, gleichzeitig setzte eine Landflucht der armen Bevölkerung in die größeren Städte Albaniens ein, ein Trend der immer noch anhält. Vor allem aber der schon rapide Wechsel Anfang der Neunziger Jahre von der Mangelwirtschaft orthodox-sozialistischer Prägung mit verursachten massiven Umweltbelastungen, hin zu einem mancherorts hemmungslos konsumorientierten Güterverbrauch, hat Menschen wie Umwelt komplett überfordert.

 

Albanien zählt in ökologischer Hinsicht zu den höchst kontaminierten Ländern des europäischen Kontinents. So liegt etwa die Feinstaubbelastung in der Hauptstadt Tirana um ein Vielfaches über den zulässigen europäischen Richtwerten, auch die Lärmpegel sind alles andere als EU-konform. Das Umweltbewusstsein scheint sich in den vergangenen Jahren zwar verbessert zu haben, aber schon die ersten Straßen-Kilometer außerhalb Tiranas in Richtung Süden zeigen an vielen Stellen ein anderes Bild: Wilde Müllkippen und Abfallhaufen in den Straßengräben, dazwischen immer auch verwaiste und verrostete Stahl-Beton-Gerippe – gescheiterte Versuche, Gebäude ohne Baugenehmigungen hochzuziehen. Die Ruinen bleiben erstmal und verschandeln so ganze Landstriche.

Es gibt aber auch die sichtbar andere Seite: Entlang der Schnellstraße in Richtung Fiere und weiter nach Gjirokastra zahlreiche neue Wohnhäuser, ja ganze Siedlungen, die in Rekordzeit hochgezogen und in geradezu vorbildlicher Weise fertiggestellt wurden. Auch das geht in dem Land, das nach wie vor im Ruf steht, zu den Weltmeistern in Sachen Korruption und Organisierter Kriminalität zu gehören. Dabei gibt es etwas auf der Fahrt ins südalbanische Gjirokastra, das einen die zivilisatorischen Probleme schlichtweg vergessen lässt: eine atemberaubend schöne Landschaft mit gewaltigen Gebirgszügen und wilden, sichtbar unregulierten Flusslandschaften. Immer wieder kommt man entlang der Staatsstraße an üppig aus den Felsen sprudelnden Naturquellen vorbei und an Flusstälern, deren Ursprünglichkeit uns zum Halten veranlasst, um diese außergewöhnlichen Naturschönheiten filmisch festzuhalten.

Schließlich Ankunft in Gjirokastra, der „Stadt der Steine“ mit ihren charakteristischen grauen Dachbedeckungen, im Jahr 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Auch diese Stadt wäre durch den Exodus der Jugend beinahe zugrunde gegangen, nun aber keimt wieder Hoffnung und auch ein neues Selbstbewusstsein ihrer Bewohner auf, durch einen sich langsam, aber spürbar entwickelnden Tourismus.

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Von Tirana nach Gjirokastra

Video: BR | Tamara Link

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