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Das Lager befindet sich auf dem Gelände einer Polizeischule. Untergebracht sind die Flüchtlinge in Zelten. Foto: BR | Attila Poth

Flüchtlinge in Körmend
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Die ungarische Regierung hat entschieden, zwei Flüchtlingslager in Nähe der Grenze zu Österreich zu errichten. Eins davon – Körmend – nimmt seit Mai 2016 Flüchtlinge auf. Etwa 200 junge Männer aus Afghanistan und anderen Ländern leben derzeit dort. Das Lager befindet sich auf dem Gelände einer Polizeischule in der barocken Kleinstadt an der Raab. Es ist offen, das heißt: die Bewohner, die in Zelten untergebracht sind, können kommen und gehen.

 

Es leben ausschließlich junge Männer hier. Offenbar erzeugt das Ängste bei den Bewohnern von Körmend, die auch von Presse und Politikern gezielt geschürt werden. In Presseberichten sorgte ein zerborstenes Fenster an der Turnhalle des Geländes im Mai für Aufregung. Es wurde behauptet, Flüchtlinge hätten junge Mädchen beim Handball-Training begaffen oder gar bedrängen wollen. Nichts davon ist wahr. Nur, dass es ein zerborstenes Fenster gibt, so die Polizei.

 

Fragt man die Einwohner von Körmend, ob sie Probleme mit den Flüchtlingen haben, heißt es unisono: Nein. Frauen berichten, sie seien höflich, höben sogar den Müll der anderen auf, Prostituierte sorgten schon für Triebabfuhr, vor Vergewaltigungen müsse man keine Angst haben. Dennoch wollen die meisten die Fremden nicht haben. So manch einer glaubt, das Flüchtlingslager sei nur deshalb in Körmend, weil das 11.000-Einwohner-Städtchen so nah an der Grenze zu Österreich liegt – das Kalkül der Regierung in Budapest sei, dass die Fremden klammheimlich nach Österreich verschwinden. Im Nachbarland sieht man das Flüchtlingslager in Körmend mit entsprechendem Argwohn. 150 illegale Grenzübertritte registrieren die Österreicher täglich und drohen mit einem Zaun, Grenzkontrollen gibt es ohnehin schon wieder. Auch die Flüchtlinge aus Afghanistan, die wir treffen, wollen weg.

 

Die rechtsextreme Jobbik hat eine Kundgebung gegen das Heim organisiert, auch andere Politiker sind gegen das Flüchtlingslager. Der Bürgermeister will uns dazu offenbar kein Interview geben – kurzfristig sagt er ab. In ungarischen Medien hat er bereits gesagt: Es gebe keine Probleme mit den Flüchtlingen. Doch warum dann diese Angst vorm schwarzen Mann? Warum der Widerstand gegen das Flüchtlingslager? Einer der Stadtverordneten gibt einen Hinweis, warum die Einwohner von Körmend so verhalten reagieren: Viele der Leute in Körmend arbeiteten als Pendler in Österreich – sollte es eine neue Flüchtlingswelle geben und Österreich die Grenze schließen – gingen die Jobs der Ungarn verloren, so die Angst in Körmend.

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Junge ungarische Polizeischüler beiderlei Geschlechts üben zu Marsch-Musik aus dem Lautsprecher in weißem Hemd und blauer Hose das Exerzieren. Foto: BR | Attila Poth
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