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Die Kroaten (l-r) Zvonimir Boban (hinten), Davor Suker (mit Fahne) und Petar Krpan (Nr. 2) jubeln nach Spielschluß über die erkämpfte Bronze-Medaille bei der Fußball WM 1998 in Frankreich. Foto: picture-alliance | dpa

Erinnerungen an den größten Erfolg im Fußball
Kroatiens 3. Platz bei der WM 1998

Anlässlich der Europameisterschaft in Frankreich, erzählen wir fünf hintergründige Fußball-Geschichten aus unseren Teilnehmerländern Rumänien, Albanien, Kroatien, Ungarn und Österreich. Heute schauen wir auf Kroatien.

Es ist der 14. Juni 1998 im Stade Felix-Bollaert in Lens. Es läuft die 27. Minute im Vorrundenspiel der Weltmeisterschaft zwischen Kroatien und Jamaika. Nach einer Ecke fällt dem Kroaten Mario Stanic der Ball vor die Füße, bringt den Ball unter Kontrolle, schießt und erzielt das erste WM-Tor in der Geschichte Kroatiens. Das Tor von Stanic legt den Grundstein zum bis heute erfolgreichsten Turnier der „Vatreni“.

Der Kader war gespickt mit internationalen Topstars wie Kapitän Zvonimir Boban vom AC Mailand, Slaven Bilic vom FC Everton, Mario Stanic vom AC Parma und natürlich dem späteren WM-Torschützenkönig Davor Suker von Real Madrid. Trotzdem wusste man im Team und im Verband nicht wirklich, wohin die Reise gehen sollte, wie Stanic im Gespräch mit der ARD ausführt: „Uns fehlte die Erfahrung für Turniere dieser Größenordnung. So waren unsere Emotionen recht gemischt. Die Erwartungen der Nation, eines ganzes Volkes waren extrem hoch. Aber wir wussten unsere Stärke noch nicht richtig einzuschätzen. Zudem hatten wir keine leichte Gruppe erwischt (Anm. Jamaika, Japan, Argentinien). Auch im gerade neugegründeten Verband arbeiteten viele  Menschen mit wenig Erfahrung und konnten die ganze Situation, was unsere Stärke und unsere Möglichkeiten anbelangt, nicht viel besser einschätzen.“

Trotz der erstmaligen Teilnahme an der Weltmeisterschaft und der Tatsache, dass man sich erst über die Relegation gegen die Ukraine qualifizieren konnte, wusste die Mannschaft, was von ihr erwartet wurde, wie Mario Stanic weiter ausführt: „Uns war schon klar, dass von uns erwartet wurde die Gruppenspiele zu überstehen. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz in Kroatien: man muss die KO-Phase erreichen, das galt damals wie heute.“

Im ersten Gruppenspiel wartete mit Jamaika der vermeintlich leichteste Gruppengegner. Dementsprechend selbstbewusst ging man auch in die Partie. Auf der Abschlusspressekonferenz schienen sich Trainer und Spieler schon fast mit vollmundigen Ankündigungen überbieten zu wollen. Trainer Miroslav Blazevic hielt sich jedenfalls nicht zurück: „Das Ergebnis hängt lediglich von unserer Form und nicht vom Gegner ab“ und Zvonimir Soldo vom VfB Stuttgart ergänzte: „“Wenn wir unser Spiel aufziehen, hat Jamaika keine Chance“. Es machte den Eindruck, dass mit solchen Aussagen die Anspannung vor dem ersten Spiel überspielt werden sollte. Laut Stanic war der Druck, der auf den Spielern lastete immens: „Der Druck in uns war riesig, aber fiel mit dem ersten Spiel. Und dann wurde alles leichter, zudem getragen von der unglaublichen Unterstützung des ganzen Volkes.“

Einem 3:1 Sieg im Auftaktspiel gegen Jamaika folgte ein 1:0 Sieg gegen Japan. Damit war man schon vor dem letzten Gruppenspiel gegen Argentinien – das 0:1 verloren ging – für die KO-Phase qualifiziert. Im Achtelfinale traf man auf Rumänien. Die goldene Generation um Kapitän Gheorge Hagi, Gheorge Popescu und Dorinel Munteanu hatte sich vor England den Gruppensieg gesichert. Ein zweifelhafter Elfmeter für Kroatien entschied die Partie, in der die „Vatreni“ leichte Feldvorteile besaßen. Für das Viertelfinale gegen Deutschland musste sich die Mannschaft jedoch deutlich steigern.

Obwohl Deutschland einen uninspirierten Eindruck machte und eher durch Rumpelfußball, als durch schnelle und zielstrebige Kombinationen auf sich aufmerksam machten, gingen sie als deutlicher Favorit in das Spiel. Zu den entscheidenden Akteuren sollten der kroatische Torwart Drazen Ladic und Deutschlands Verteidiger Christian Wörns werden. Ladic, da er Chance um Chance der Deutschen vereitelte und Wörns, weil er in der 40. Minute nach einem Foul an Davor Suker mit einer Roten Karte vom Platz geflogen ist. Kurz vor der Pause brachte Robert Jarni Kroatien mit 1:0 in Führung. Die Deutschen – die ihr bestes Spiel des Turniers ablieferten – drängten auf den Ausgleich. Doch der Ball wollte einfach nicht an Ladic vorbei ins Tor. Erst als Stürmer Goran Vlaovic in der 80. Minute das 2:0 markierte, war die Gegenwehr gebrochen. Davor Suker legte in der 89. Minute noch das 3:0 nach und sorgte somit für die endgültige Demontage des damals amtierenden Europameisters.

Im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich ging die Mannschaft abermals als krasser Außenseiter ins Spiel. Davor Suker brachte seine Farben mit seinem fünften Turniertreffer zwar in Front, Frankreich war im eigenen Land jedoch nicht zu bezwingen. Durch zwei Tore von Lilian Thuram – seine einzigen beiden Treffer in 142 Länderspielen – konnte der spätere Weltmeister das Spiel zu seinen Gunsten drehen und ging als verdienter Sieger mit 2:1 vom Platz. Im Spiel um den dritten Platz gegen die Niederlande schoss Davor Suker noch seinen sechsten Turniertreffer, der ihn zum Torschützenkönig machte. Der 2:1 Sieg gegen die Oranjes machte die Sensation – die drittbeste Nationalmannschaft in Europa zu sein – perfekt.

Laut Mittelfeldspieler Stanic gab es mehrere Faktoren für diesen Erfolg und zieht Parallelen zur heutigen Mannschaft: „Wir waren eine sehr reife Spielergeneration und spielten in großen europäischen Vereinen. Übrigens genau die gleiche Situation wie heute! Wir waren Spielerpersönlichkeiten. Auch wenn wir uns außerhalb des Spielfeldes nicht immer verstanden haben, sobald wir den Rasen betreten, haben waren wir eine Einheit – EIN Team. Dazu kam dann die Medienunterstützung und vor allem die Fans waren unglaublich, sie luden unsere Akkus immer wieder auf.“

Welche Bedeutung dieser dritte Platz für die Menschen in Kroatien hatte, konnten Stanic und die anderen Spieler noch nicht absehen: „Erst als wir in Kroatien wieder angekommen waren, wurde mir bewusst, was wir da geschafft haben. Wir haben den Menschen Freude gegeben, Hoffnung und Spaß. Da wird einem die Kraft und Macht des Fußballs erst einmal richtig bewusst. Im Turnier selbst bekommt man das gar nicht so mit, da ist man so auf die Spiele fokussiert und schaut nur auf das Resultat. Erst zu Hause haben wir begriffen, was dieser Sieg für das ganze Volk, die ganze Nation bedeutet hat“

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