Briefmarke zum 60. Jahrestag des Sieges im Balkan Cup 1946. Foto: BR | Astrit Ibro

Erinnerungen an den größten Erfolg im Fußball
Albanien gewinnt den Balkan Cup 1946

Anlässlich der Europameisterschaft in Frankreich, erzählen wir fünf hintergründige Fußball-Geschichten aus unseren (Berichtsgebiet) Teilnehmerländern Rumänien, Albanien, Kroatien, Ungarn und Österreich. Heute schauen wir auf Albanien.

Ismet Bellova – Albaniens Kommentatoren-Legende – erinnert sich im Gespräch mit der ARD, als sei es gestern gewesen: Wie er als zwölfjähriger im Stadion von Tirana gekochte Eier und Kastanien verkauft hat um seine Helden spielen zu sehen. 70 Jahre ist es mittlerweile her, als Albanien mit dem Sieg im Balkan Cup, den größten Erfolg seiner Fußball-Geschichte feiern konnte.

Der albanische Fußballverband wurde 1930 in die FIFA aufgenommen. 1934 erhielt man eine Einladung zur Weltmeisterschaft in Italien. Diese musste der Verband auf Grund der nicht tragbaren Kosten ablehnen. Es sollte bis zum Jahr 1946 dauern, bis Albanien sein erstes von der FIFA anerkanntes Spiel bestreiten konnte. Das erste offizielle Länderspiel war dann auch der Auftakt zum Balkan Cup. Der Pokalwettbewerb fand erstmals nach dem 2. Weltkrieg wieder statt.

Der erste Balkan Cup wurde 1929 ausgetragen. Eingeladen waren Nationen aus der gesamten Balkanregion. Unter anderem auch Griechenland und die Türkei. Bei seiner Premiere wurde ohne festen Gastgeber und mit Hin- und Rückspiel gespielt. Drei Jahre dauerte der Pokalwettbewerb an dessen Ende sich Rumänien als souveräner Sieger durchsetzen konnte. Dieses System wurde danach von einer kürzeren Variante mit festem Gastgeber abgelöst.

Auch Albanien hat 1946 zum ersten Mal an dem renommierten Wettbewerb teilgenommen. Mit Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien trafen die „Kuq E Zi“ auf Mannschaften, die den Pokal jeweils zwei Mal gewinnen konnten. Ohne Turnier- und nennenswerte Länderspielerfahrung galt Albanien als krasser Außenseiter. Lediglich ein inoffizielles Länderspiel bestritt Albanien im Vorfeld des Turniers. Dieses konnte jedoch 5:0 gegen eine Auswahl Montenegros gewonnen werden. Albaniens Trainer war der 35-jährige Jugoslawe Ljubisa Brocic, der später noch von Juventus Turin und dem FC Barcelona angeheuert worden ist.

Der Auftakt gegen Jugoslawien gestaltete sich knapper als erwartet, wie sich Bellova erinnert: „Ich vergesse nicht, dass das erste Spiel gegen Jugoslawien ein echtes Drama war. Das Spiel haben die Jugoslawen zwar 3:2 gewonnen, doch unsere Spieler machten ein ausgezeichnetes Spiel.“

Albanien führte bereits nach zehn Minuten 2:0, doch drei Tore in der zweiten Halbzeit sicherten der erfahrenen jugoslawischen Mannschaft den Sieg. Im zweiten Spiel steigerte sich die albanische Mannschaft und feierte einen 3:1 Sieg gegen Bulgarien.

Da Jugoslawien gelichzeitig gegen Rumänien verloren hat, musste das letzte Spiel über den Sieger entscheiden. Jugoslawien schaffte nur ein 2:1 gegen Bulgarien und so reichte ein 1:0 Sieg gegen Rumänien, um punktgleich und mit einem erhaltenen Tor weniger, vor Jugoslawien zu bleiben.

Bellova: „Das war ein knapper, jedoch schöner  und verdienter Sieg für unsere Mannschaft. Auch heute erinnere ich mich an den albanischen Torschützen, Qamil Teliti. Als er das Tor geschossen hat, gab es im Stadion eine Euphorie und  eine Begeisterung, als würde das komplette Stadion brennen. Es waren wunderbare Momente, als der albanische Mannschaftskapitän Loro Borici die Tribüne betrat, ihm ein Lorbeerkranz um den Hals gelegt wurde und man ihm den Pokal überreichte. Denn es war amtlich: Albanien ist Balkanmeister.“

Loro Borici wurde zu einer prägenden Figur im albanischen Fußball und sollte auch Fans der deutschen Nationalmannschaft ein Begriff sein. Er war Albaniens Trainer als beim „Schmach von Tirana“ bekannt gewordenen Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Deutschland. In der Qualifikation zur Europameisterschaft 1968 benötigte Deutschland gegen die punktelosen Albaner einen Sieg um an Jugoslawien vorbeizuziehen und sich für die Endrunde zu qualifizieren. Albanien erkämpfte sich ein 0:0 und sorgte dafür, dass sich Deutschland zum ersten- und bisher einzigen Mal nicht für eine EM-Endrunde qualifizieren konnte.

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