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Diesseits und jenseits der Grenze. Foto: BR | Michael Mandlik

Flüchtlinge am ungarischen Grenzzaun
Warten vor der Transitzone

Manche sind erst wenige Tage, andere schon über eine Woche hier. Diejenigen der circa 150 Menschen, die hier vor der ungarischen Grenze auf einen Einlass in die Transitzone warten, stammen nach eigenen Angaben aus Afghanistan. Die ungarischen Behörden aber denken gar nicht daran, so etwas wie beschleunigte Asylverfahren durchzuführen. Sie haben Anweisung, täglich an die zehn Personen zur Überprüfung von Identität und Flüchtlingsstatus einzulassen; dabei werden Kranke und Familien mit kleinen Kindern bevorzugt. Der Rest muss eben warten.

Die kleine Ansammlung an Flüchtlingszelten am serbisch-ungarischen Grenzübergang Röszke als „Klein-Idomeni“ zu bezeichnen, ist tatsächlich völlig überzogen. Wahrscheinlich kam das daher, weil es angeblich nicht wenige der Flüchtlinge aus dem inzwischen aufgelösten Lager im griechischen Idomeni binnen kürzester Zeit bis hierher geschafft haben sollen. Ob das wirklich stimmt, kann keiner sagen.

 

Flüchtlinge am ungarischen Grenzzaun

Beitrag: Michael Mandlik

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Roland Buzzi

Unterdessen haben die mit der Grenzsicherung beauftragten Polizisten und Soldaten am durchgehend gebauten Sperrzaun zu Serbien offensichtlich alle Hände voll zu tun, sogenannte illegale Grenzübertritte zu verhindern. Laut offiziellen Angaben versuchen es bis zu hundert Personen pro Tag, es irgendwie durch oder über den meterhohen und mehrfach mit Stacheldraht bewehrten Grenzzaun hinweg auf ungarisches Staatsgebiet zu schaffen. Meistens geschieht das im Schutz der Dunkelheit, weswegen die ungarischen Grenzschützer eine zahlenmäßig  massive Präsenz entlang der Zaunlinie aufgezogen haben. Auf Sicht- und Rufweite bewegen sich permanent Patrouillen zu Fuß oder motorisiert am Sperrzaun; hinzu kommen Beobachtungsposten auf Wachtürmen sowie militärisch getarnte Späher am Boden. Die Kontrolle erscheint lückenlos.

Und dennoch verraten die zahlreich entlang des Grenzzauns angebrachten kleinen, weiß-roten Fähnchen der Polizei, wo überall die Drähte von serbischer Seite aus aufgeschnitten wurden bzw. wo der Zaun an solchen Stellen mit zusätzlichem Draht verschlossen bzw. verstärkt werden musste. Es sind in der Tat nicht wenige. Häufig auch darüber oder daneben im Stacheldraht hängengebliebene Kleidungsstücke: Mützen, Handschuhe, Taschen – Hinweise, dass es hier um Sekunden ging, um möglichst schnell und unerkannt ungarisches Territorium – und damit die Europäische Union – zu erreichen, um gleich darauf wieder unterzutauchen. Aus der Sicht der ungarischen Behörden ist klar, wer die Eindringlinge sind: Migranten, die mitunter aus sogenannten sicheren Drittstaaten kommen und damit keine Chance auf Anerkennung eines Flüchtlingsstatus hätten. Doch illegaler Grenzübertritt wird in Ungarn als schweres Delikt geahndet.  Im Unterschied zu denen, die über die Transitzonen eingereist und bei abgelehnten Asylanträgen unmittelbar nach Serbien abgeschoben werden, warten auf ertappte „Grenzverletzer“ juristische Schnellverfahren und dann meist das Gefängnis.

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