Der designierte österreichische Bundespräsident bei den Vorbereitungen zum Interview mit den ARD Tagesthemen. Foto: BR | Markus Grohs

Interview mit Alexander Van der Bellen:
„Es waren extrem spannungsreiche Tage“

Er ist ein Studiogast, den wohl jedes Medium weltweit gerne exklusiv  interviewen würde: Der designierte Bundespräsident Alexander Van der Bellen kam gestern zum Interview mit den ARD Tagesthemen ins Studio der ARD in Wien. Nach dem Schaltgespräch mit Tagesthemenmoderator Thomas Roth blieb noch Zeit für ein exklusives Radio- und TV-Interview.  Ralf Borchard fragte ihn unter anderem zu seiner Wahrnehmung der Berichterstattung im Ausland über die Wahl, zu seinen Gefühlen während des Kopf-an-Kopf Rennens und zur künftigen „First-Lady“. Hier das ganze Interview:

ARD Exklusiv-Interview mit Alexander Van der Bellen

Kamera: Markus Grohs

Ton: Florian Lachinger

Schnitt: Roland Buzzi

Alexander Van der bellen besucht das ARD Studio Wien

Kamera: Markus Grohs

Ton: Florian Lachinger

Schnitt: Roland Buzzi

Fast alle Medien in Deutschland und auch viele  Internationale berichtetet gestern nochmals ausführlich über den Wahlsieger und die Folgen für Europa. Hier ein paar Ausschnitte und Kommentare:

 

"Es geht um die politische Legitimationskrise, in der westliche Demokratien stecken. Sie folgte auf die ökonomischen Krisen. Erst platzte die Immobilienblase, anschließend taumelten weltweit die Banken und in deren Folge gerieten Staaten wie Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal ins Wanken. Die zahlreichen Reformen haben vielleicht das Bankensystem gerettet oder stabilisiert. Sie haben aber gleichzeitig die Ängste vieler geschürt, keine Lebensperspektive mehr zu haben. Entweder, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren und keinen angemessenen Ersatz gefunden haben, oder weil der Arbeitsplatz durch die Folgen der wirtschaftlichen Umwälzungen bedroht ist. Viele Arbeitsplatz-Besitzer klagen zudem darüber, immer mehr arbeiten zu müssen für immer weniger Geld. (...) Ökonomische Reformen müssen also nachgebessert werden, damit diese Entwicklungen gestoppt oder umgekehrt werden. Dann lässt sich der viel beschriebene Teufelskreislauf stoppen, der die Ausgegrenzten und Ängstlichen anfällig macht für die Slogans der Rechtspopulisten."

"Frankfurter Rundschau":

"Rechtspopulisten haben Konjunktur - in ganz Europa. Ihr Erfolg ist das Versagen der etablierten Parteien, weil die Wähler sich bei den Volksparteien nicht mehr gut aufgehoben fühlen, weil sie glauben, dass ihre Sorgen - ob berechtigt oder nicht - von den Rechtspopulisten gelöst werden können. Und noch etwas zeigt Österreich: Dass ein 'Weiter so' in Deutschland eben kein haltbares Konzept sein kann. Die Volksparteien CDU, CSU und SPD brauchen klare Profile."

"Mittelbayerische Zeitung (Regensburg):

"Österreich zeigt aber auch: Mobilisierung ist möglich. Die Mitte ist, jedenfalls in der Bedrängnis, fähig, einen gemeinsamen Kandidaten zu stützen. In diesem Bündnis jedoch liegt auch etwas extrem Gefährliches: Es kommt zu einer Mehrheit gegen die Populisten, doch die große Koalition wird zum Dauerzustand, die Mitte verklumpt, die Ränder werden immer stärker. In Österreich hat das die Volksparteien verzwergen lassen, und in Deutschland droht längst Ähnliches."

"Die Zeit" (Hamburg):

"Die Erleichterung bei vielen in Europa ist verständlich, aber unangemessen. Das Ergebnis hätte anders aussehen können. Die Wahrheit ist, dass die Hälfte der Österreicher für eine Partei gestimmt hat, die eine bedenkliche Vergangenheit hat und die selbst in Hochzeiten von Jörg Haider nie mehr als 30 Prozent erreichte. (...) Überall in Europa ziehen nationalistische Populisten Nutzen aus wirtschaftlicher Stagnation und der Angst vor Migranten. Die einfachen, aber gefährlichen Lösungen, die sie offerieren, werden für viele Wähler attraktiv. Ein Sieg in Österreich wäre ein symbolischer Durchbruch gewesen und eine Ermutigung für Geistesverwandte. Die österreichischen Proteststimmen für eine Anti-Establishment-Partei sind eine Warnung für andere Länder, in denen eine ermüdete 'Große Koalition' regiert - vor allem für das Deutschland von Angela Merkel."

"NRC Handelsblad" (Amsterdam):

"In Österreich hat letztendlich der gewonnen, der der solidarischen internationalen Zusammenarbeit am loyalsten gegenübersteht. Aber sowohl Van der Bellen als auch andere Toppolitiker in Europa sind daran erinnert worden, dass die große Herausforderung darin besteht, unsere Länder intern und in der Gemeinschaft in der EU zu einen. Warum? Weil binationale Probleme internationale Lösungen brauchen. Dafür ist Europa zum Glück besser ausgerüstet als viele andere Teile der Welt."

"Politiken" (Kopenhagen):
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Kommentare (1)

Ernest Bender am

Armer nächster Wiener Opernball (23. Februar 2017)! – Motto: Witz, lass nach im Ausmaß von schlecht sitzender Staats-Kleidung sowie von auf soziale Bescheidenheit ausgelegter Cam-Statements.

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