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Die Helfer vor Ort verteilen täglich warmes Essen und geben Infos weiter. Foto: BR | Till Rüger

Wieder mehr Flüchtlinge?
Routen über Mazedonien und Bulgarien

Fünf Tage zu Fuß hat Masoud Hamid gebraucht, quer durch die mazedonisch-griechischen Berge. Diese fünf Tage allein im „mazedonischen Dschungel“ sagt Masoud seien am härtesten gewesen. Die vielen Mücken hätten ihn fast aufgefressen, zum Beweis zeigt er mir seine Arme. Sie sind übersäht mit aufgekratzten Mückenstichen.

 

„Du bist zu Fuß, alleine fünf Tage durch die Berge an der mazedonischen Grenze?“ frage ich erstaunt. „Ja! Ich habe den neuen Zaun umgangen. Für jemanden der in den Bergen Afghanistans aufgewachsen ist, ist der kein Hindernis!“, lacht der 18-Jährige etwas verlegen. Als ich ihn mitten in Belgrad im Park gleich beim Busbahnhof treffe, ist er bereits seit sechs Monaten unterwegs: Aus der Provinz Baglan im Norden Afghanistans, quer durch den Iran und die Türkei, mit dem Boot nach Griechenland und dann weiter durch Mazedonien nach Serbien. Seine Eltern seien tot, sein großer Bruder arbeitet als Soldat in der Afghanischen Armee, erklärter er mir und zeigt mir Fotos von ihnen auf seinem Handy.

 

Er wolle nach Freiburg zu einem Großonkel, der schon seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Mit ihm telefoniert er regelmäßig. Masoud Hamid ist einer von knapp 400 Flüchtlingen die inzwischen täglich wieder ihren Weg quer durch Serbien suchen. Belgrad ist für sie Durchgangsstation. Im Park hinter dem Busbahnhof treffen sie sich alle: Familien mit kleinen Kindern, Ehepaare und junge Männer wie Masoud. Sie tauschen Informationen, Essen und Kleidung aus und reisen nach ein paar Tagen in kleinen Gruppen weiter Richtung Ungarn.

 

Auch Resal Amiri und ihr Mann Ahmad-Samim sitzen auf einer der Parkbänke in der Sonne und beraten wie es weiter geht. Nur einen Monat habe sie von Kabul bis Belgrad gebraucht. Mit dem Flugzeug in die Türkei und dann über den Landweg nach Bulgarien. Diese neue Ostbalkanroute nehmen immer mehr Flüchtlinge und nehmen dafür zwei Tage zu Fuß durch unwegsames Gelände in Kauf, um Bulgarien zu erreichen. Das sei der schlimmste Teil gewesen erzählt Resal Amiri: „Die bulgarische Polizei hat uns geschlagen, mit Stöcken und uns alles Wertvolle abgenommen“. Ihre Ringe hätte Resal abgeben müssen. Kleine helle Streifen an Ring-, Mittel- und Kleinem-Finger zeigen, dass sie hier Schmuck getragen hatte. Trotzdem seien sie dann zwei Tage im Gefängnis festgehalten worden. Als die Zellen zu voll wurden hätte man sie dann doch weiterreisen lassen – über die Grenze nach Serbien. Resal war Lehrerin für Englisch und gab Computerkurse in Kabul. Ihr Ziel ist Hamburg, dort leben bereits ihre Eltern. Ihr jüngerer Bruder konnte sie mit dem Flugzeug im Rahmen der Familienzusammenführung schon im Winter nachholen. Jetzt wollen auch Resal Amiri und ihr Mann in die neue Heimat der Familie – nach Deutschland.

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