Helmut Kohl (re.) und Viktor Orban nehmen am 30.06.2006 am Europäischen Jugendkongress in Leipzig teil. Foto: picture alliance | dpa

Orban bei Kohl
Männerfreundschaft als politische Botschaft

Ich kenne die Privat-Villa von Altkanzler Kohl noch von früher, als ich in Ludwigshafen zur Schule ging. Meine Freundin Andrea wohnte im Stadtteil Oggersheim. Wenn wir spazieren gingen, knutschten wir vor Kohls Privathaus, bestens bewacht von der Polizei.

 

Hierhin kommt nun Viktor Orban, der ungarische Ministerpräsident. Rein privat, lässt das Büro Kohl ausrichten. Doch wie privat kann ein Treffen zweier Spitzenpolitiker sein – zumal, wenn sie eine Botschaft haben?

 

Kohls Essay „Aus Sorge um Europa“ erscheint diese Woche in Ungarn. Orbans Besuch in Ludwigshafen-Oggersheim ist eine gute Gelegenheit, um es zu promoten. Kohl warnt vor nationalen Alleingängen, ein Seitenhieb auf Merkels Politik der offenen Grenzen, vielleicht auch auf Orbans Zaunbau. Auch der Ungar Orban hat eine politische Botschaft in Sachen Flüchtlingspolitik. Er möchte – salopp gesagt, sein Konzept von der „Festung Ungarn“ auch auf Europa übertragen.

 

Dafür hat er jetzt einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, den nennt er großspurig „Schengen 2.0“. Im Kern bedeutet der: Mehr Kontrolle der EU-Außengrenzen. Und vor allem: Keine Flüchtlingsquote. Dagegen hat Orban vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt, er will sich ein „Nein“ seiner Wähler zur Quote auch per Volksentscheid holen. Damit präsentiert sich Orban als Anti-Merkel. Denn die Bundeskanzlerin hatte sich für die Quote stark gemacht.

 

Nebenbei kann sich Orban, den man in europäischen Hauptstädten mittlerweile meidet, durch den Besuch bei Kohl aufwerten – und vergessen lassen, dass aus dem Maueröffner Ungarn der Erbauer neuer Zäune geworden ist. Dass in Oggersheim Front gegen Merkel gemacht wird – das wird vom Büro Kohl übrigens dementiert.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Von Festung Ungarn zu Festung Europa
0:00 | 0:00

Beitrag: Darko Jakovljevic

Kamera: Valentin Platzgummer

Ton: Klaus Winkler

Schnitt: Christine Dériaz

Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.