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Grenzübergang Brenner. Foto: BR | Michael Mandlik

Stacheldraht am Brenner?
"Das wäre eine Katastrophe!"

Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Wenn man am auch hier ersten richtig schönen Frühlingstag auf der Brenner-Bundesstraße an der Grenzlinie zwischen Österreich und Italien steht, dann kommen spontan eher nostalgische Urlaubsgefühle auf als die Befürchtung, dass es hier bald zu einer krisenhaften Situation mit dem Andrang vieler tausend Flüchtlinge kommen könnte, die den Pass zur Weiterreise nach Norden überqueren wollten.  Doch die aktuellen Nachrichten deuten darauf hin. Mit dem ersten ruhigen Seewetter auf dem Mittelmeer sind wie aus dem Nichts Ströme von Flüchtlingen- mit Booten aus Nordafrika kommend – in den Gewässern vor Italiens Küsten entdeckt und an Land gebracht worden. Man kann sich beinahe ausrechnen, wann die ersten dieser Migranten an der Grenze zu Österreich auftauchen werden.

 

Obgleich die politische Führung Österreichs klare Vorgaben benannt hat, nämlich die schnelle Errichtung von Grenzkontrollpositionen an den Südgrenzen des Landes, ist am Brenner selbst noch nichts in dieser Richtung,  wie z.B. die Zwischenlagerung von Zäunen, Sperren oder Barrieren, wahrzunehmen. Doch die Optik trügt. Die Einwohner des Grenzortes am Brenner haben sich schon längst Gedanken gemacht, wie die Situation werden könnte, wenn die Flüchtlinge erst einmal da sind – basierend auf den Erfahrungen des vergangenen Jahres. Schließlich haben viele von ihnen auch ihren Arbeitsplatz dort, wo sich künftig vielleicht vermehrt Migranten aufhalten werden – in Erwartung ihrer Weiterreise nach Österreich oder Deutschland.

 

Der unübersehbar größte Arbeitgeber am Brenner ist das „Outlet Center Brenner“ auf italienischem Staatsgebiet. Hierher kommen vor allem Schnäppchenjäger aus Österreich und Deutschland –  in der Hoffnung, in einigen der über 50 Fachgeschäfte Marken-Artikel zu günstigeren Preisen erwerben zu können. Auch hier im Moment noch „business as usal“  und Verkäufer, die der Entwicklung eher gelassen entgegenblicken.

 

„Schauen Sie, ich bin hier geboren und aufgewachsen“, sagt uns die italienische Verkäuferin eines Textilbekleidungsgeschäfts.“ Ich kenne den Ort mit und ohne Grenzanlagen“, sagt sie. “Aber egal, ob Schlagbäume da waren oder nicht – dem Geschäft hat beides nie geschadet, im Gegenteil. Grenzorte sind Wirtschaftsorte, das war schon immer so.“

Etwas weniger gelassen ist der Barrista an der italienischen Cafe-Bar im Outlet-Center: „Wir wissen nicht, was sich hier für uns ändern wird, wenn sich hier vielleicht bald für längere Zeit Flüchtlinge aufhalten werden. Wir wissen es einfach nicht.“

 

Die konkrete Befürchtung, dass sich am Brenner auf italienischer Seite eine Art Flüchtlingsrückstau bilden könnte, sollte Österreich die Grenze für Flüchtlinge eines Tages dicht machen, die hegt vor allem der Bürgermeister des Ortes, Dr. Franz Kompatscher: „Ein Flüchtlingsrückstau wäre das Schlimmste, was uns passieren könnte“, sagt er, “das wollen wir hier nicht haben, genauso wenig wie Stacheldraht. Das wäre ganz furchtbar.“

 

Dabei ist von Seiten der italienischen wie der österreichischen Behörden eigentlich alles geklärt. Bürgermeister Kompatscher zeigt uns auch schon die Stellen an der Grenze, wo künftig die Container zur Erstaufnahme der Flüchtlinge aufgestellt werden, ebenso die Registrierungsstelle zur Überprüfung der Identitäten sowie Versorgungs- und Aufenthaltsräumlichkeiten. Alles soll demnach nach dem Prinzip abgewickelt werden, wie es an einem anderen Grenzübergang, dem bei Spielfeld an der österreichisch-slowenischen Grenze verwirklicht worden ist: eine Anlage, die geeignet ist, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele personelle Überprüfungen durchzuführen. Rückstaus sollen da erst gar nicht aufkommen; und Stacheldraht ist auch nicht vorgesehen.

 

Für den Fall, dass dennoch Zwischenfälle auftreten sollten, etwa durch Demonstrationen seitens der Flüchtlinge oder versuchte illegale Grenzüberquerungen, haben die österreichischen Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen aber schon mal geübt. So ist es durchaus auch möglich, dass das österreichische Bundesheer die grünen Grenzen etwa am Brennerpass wie auch anderswo durch entsprechende militärische Patrouillen absichern wird. Auch zur Abwehr möglicher gewalttätiger Angriffe  sollen Soldaten des Bundesheeres zur Unterstützung der Polizei dann unmittelbar an der Grenze  eingesetzt werden können.

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Making-Of Euroblick - Dreh am Brenner

 

Kamera: Tamara Link

Schnitt: Roland Buzzi

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Kommentare (1)

Ernest Bender am

Dass Österreich als vertragliche Schutzmacht Südtirols nach den vom Bürgermeister gegenüber öffentlich-rechtlichen Deutschen gemachten Ausführungen „Stacheldraht“ aufziehen würde, weist möglicherwiese auf die in Südtirol noch immer gehegte und Familien spaltende Problematik des Optierens zugunsten des Umzugs ins „Reich“ hin. — Wahrscheinlich wäre dem Ortsvorderen ein Schutzmacht Deutschland lieber, da ja, nach Wissen und Auffassung mancher Deutscher (schaue/höre nach insbesondere bei der Hamburger Pre-/After-TV-Show zum Eurovisions-Songcontest 2015) der Brennerpass geografisch-politisch Italien und Deutschland trennt.

Nota bene:
Wie wär’s mit einem Bericht zur Wiener Konferenz der Verteidigungsminister von Österreich und Balkanstaaten? (Würde wahrscheinlich aus Staatsschutzräson ohnehin nicht in der Tagesschau gezeigt werden dürfen.)

Außerdem:
Gerne erinnere ich mich zurück an einen (Video-)Beitrag des Vorgängers von Frau Dr. Glass, der als einen der schlagenden Vorzüge der Standortes der ARD-Redaktion Wien die (von der „Villa“ am Küniglberg aus gedachte) schnelle Erreichbarkeit des Flughafens Wien-Schwechat einbekannte.
2009 zog sich die „Spiegel“-Redaktion unter anderem aus Wien zurück – und es hat beiden Seiten sicher nicht geschadet. Warum wandern ARD, BR (ebenso ZDF) nicht weiter, z.B. nach Bratislava oder in die Erstheimat ihres ungarischen Österreich-Spezialisten? Auch München würde reichen. Und um diese Geistes- bzw. Haltungsdistanz sicherzustellen bräuchte es weder Stacheldraht noch ein „ein Türl mit Seitenteilen“.

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