Don't forget Srebrenica. Foto: BR | Till Rüger

Kommentar zum Urteil gegen Karadzic
Srebrenica war Völkermord

Wir wollen Gerechtigkeit. Und wir wollen ein Signal an potentielle Nachfolger in der Politik: Verbrechen dürfen nicht ungesühnt bleiben. Das sagte Kada Hotic vor dem Urteil gegen Radovan Karadzic. Die Bosnierin aus Srebrenica hat Mann, Sohn und zwei Brüder verloren.

Kada Hotic ist als Angehörige der „Mütter von Srebrenica“ Klägerin in Den Haag – und sie hat – stellvertretend für so viele andere – Recht bekommen.

40 Jahre Haft – das bedeutet: der 70-jährige Radovan Karadzic wird das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen. Das ist ein wichtiges Signal an die Opfer von Vertreibungen und Vergewaltigungen, die Angehörigen der Toten wie Kada Hotic. Es gibt ihnen den Glauben an Gerechtigkeit zurück, den sie nach Srebrenica verloren hatten. In Sarajevo verfolgten die Menschen das Urteil live in den Straßencafés – Public Viewing wie bei einem Fußball-Spiel. So wichtig war dieses Urteil.

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Graffiti von Radovan Karadzic in seiner Heimatstadt Pale. Foto: BR | Stephan Ozsváth
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Die Botschaft aus Den Haag ist klar: Karadzic ist jetzt ein verurteilter Kriegsverbrecher. Er trägt die Verantwortung für die Belagerung Sarajevos mit 11.000 Toten, die Vertreibungen – und ganz wichtig: Für das Massaker von Srebrenica mit gut 8.000 Ermordeten. Das stuften die Richter in Den Haag als Völkermord ein.

Das Urteil ist aber nicht nur eine Botschaft an die Angehörigen der 100.000 Kriegstoten in Bosnien. Es ist auch eine deutliche Mahnung an serbische Politiker: Kriegsverbrecher können keine Helden sein. Die Nachhilfe aus Den Haag ist da leider immer noch nötig.

Vor wenigen Tagen weihte Milorad Dodik, der Präsident der bosnischen Serbenrepublik im Wohnort der Familie Karadzic in Pale ein Studentenwohnheim ein. Es trägt den Namen von Radovan Karadzic. Viel Ehre für einen Kriegsverbrecher, der im Namen des Serbentums einen Völkermord angezettelt hat. Der serbische Justizminister in Belgrad machte schon vor dem Urteil aus dem Täter ein Opfer: Karadzic, der arme Serbe, für den das Urteil schon festgestanden habe.

Damit muss nun Schluss sein. Das Urteil hat den moralischen Kompass wieder geeicht – nach den fragwürdigen Freisprüchen für den Kroaten Gotovina oder den Kosovaren Haradinaj. Nun ist es amtlich: Keine Sache ist so edel, dass sie Mord rechtfertigt. Aber zur Versöhnung ist es noch ein weiter Weg.

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