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Karadzic vor Gericht Foto: picture alliance/dpa

Diese Woche fällt in Den Haag das Urteil gegen Radovan Karadzic
Ein „serbischer Held“ ?

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Diese Woche fällt in Den Haag das Urteil gegen Radovan Karadzic
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Das Studentenwohnheim ist nach „Dr. Radovan Karadzic“ benannt, dem früheren Präsidenten der bosnischen Serben. Schwarz und mit goldenen Buchstaben – so sieht die Plakette an dem Gebäude in Pale aus, etwa 20 Kilometer östlich von Sarajevo entfernt. Milorad Dodik, der Ministerpräsident der serbischen Teilrepublik Bosniens, würdigte nur wenige Tage vor der Urteilsverkündung Karadzic als Gründungsvater des Teilstaates. Anwesend waren auch die Ehefrau und Tochter Sonja – sie ist mittlerweile die stellvertretende Präsidentin des Parlaments der serbischen Teilrepublik in Banja Luka. Im ARD-Interview verteidigt sie die Rolle ihrer Familie und ihres Vaters während des Bosnien-Krieges, niemand habe die „Dinge geplant, die später geschehen sind“. Also: Vertreibung, Vergewaltigungen, Mord.

 

Mit Sonja Karadzic in Pale, links Stephan Ozsváth, rechts Zoran Iconic Foto: BR | Mladen Pehar
Mit Sonja Karadzic in Pale, links Stephan Ozsváth, rechts Zoran Iconic Foto: BR | Mladen Pehar

Das ist glatt gelogen. Denn von Pale aus organisierte ihr Vater Radovan Karadzic die „ethnischen Säuberungen“, befehligte die fast vierjährige Belagerung von Sarajevo mit fast 11.000 Toten, auch für das Massaker von Srebrenica mit etwa 8000 Toten wird Karadzic verantwortlich gemacht. Denn Karadzic war damals auch Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Streitkräfte. In der sogenannten „Direktive Nr. 7“ vom März 1995 befiehlt er, den Muslimen im Land das Leben „unerträglich zu machen“.

Die Anklage in Den Haag möchte Radovan Karadzic lebenslang hinter Gitter bringen. Und auch viele Bosniaken (bosnische Muslime) wollen, dass der Architekt der sogenannten „ethnischen Säuberungen“ bestraft wird. In Pale wird Karadzic dagegen als „serbischer Held“ verehrt. Passanten in der Fußgängerzone äußern, sie hätten „eine gute Meinung von ihm“, er sei nur deshalb in Den Haag, „weil er Serbe ist“. Ein Graffito hinter Sonja Karadzics Parteibüro feiert den Mann mit der markanten Tolle als „serbischen Held“. Auch in ihrem Büro ist er präsent: Auf einer stehen gebliebenen Uhr ist sein Konterfei zu sehen, Aufschrift: „Meine Zeit wird kommen“.

 

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