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Eugene Quinn, Stadtführer der anderen Art. Foto: BR | Stephan Oszváth

Ugly Vienna Tour
Stadtführung jenseits von Sissi, Sacher und Schönbrunn

Ich hatte schon gehört, dass diese Tour sehr lustig ist. Und, in der Tat: Eugene Quinn ist ein Unterhaltungskünstler. Der Brite kam vor sieben Jahren nach Wien, der Liebe wegen. Seine Frau ist Burgenländerin. „Wir hatten einen Wettbewerb“, sagt Quinn, der früher für die BBC in London gearbeitet hat, „London oder Wien“. Die österreichische Hauptstadt hat bei diesem Städtewettbewerb gewonnen. „Ich lebe sehr gerne hier“, beteuert er, „im Gegensatz zu meiner Frau“. Ein kleiner Seitenhieb auf die Hassliebe vieler Österreicher zu ihrer Hauptstadt .

Obwohl regelmäßig zur „lebenswertesten Stadt“ erklärt, will Quinn zusammen mit seiner Frau und den anderen Mitgliedern der Gruppe „SpaceandPlace“ Menschen zur „dunklen Seite der Stadt“ führen. 19 ausgesucht hässliche Orte haben sie dafür ausgesucht, die sie zu Fuß abklappern – etwa das „Haus der Zeit“ im zweiten Bezirk – das hausgewordene Liebesleben des Künstlers und Gewinn-Spielbetrügers Gerhard Bruckberger, der mittlerweile im Gefängnis sitzt – aber nicht wegen „Stilverbrechen“, wie Quinn launig erzählt. Besonders scheußlich ist das ungarische Kulturzentrum „Collegium Hungaricum“, leicht zu verwechseln mit einer drittklassigen Pizzeria. „Ein Haus wie Wladimir Putin“, scherzt der alternative Stadtführer, der seine Mit-Flaneure bei jedem Objekt zur Abstimmung einlädt: „Hässlich oder nicht?“

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Ugly Vienna

Autor: Darko Jakovljevic

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Roland Buzzi

Dass eine solche Tour nicht nur Freunde findet, liegt auf der Hand, denn Eugene Quinn und seine Freunde wollen ein Gegenstück zur „Schnitzel-Industrie“ entwerfen, die Stadt neu lesen. Der Wiener Rentnerin Heidi Danielis gefällt das Konzept. „Ich sehe die Stadt mit seinen Augen“, sagt sie, „das gefällt mir“. Mit der Wirtschaftskammer liegt Quinn allerdings im Clinch, denn Sisi, Sacher und Schnitzel verkaufen sich gut. Und die Stadtführer, die für viel Geld einen Lehrgang besuchen und eine Prüfung ablegen müssen, fürchten um ihre Claims. Die Folge: Quinn musste eine Strafe bezahlen, und – bizarre Pointe – er darf nichts Sehenswertes zeigen und muss auf Jahreszahlen verzichten. Er löst das kreativ: „im Jahr des Reaktorunfalls von Tschernobyl“, oder „im Jahr, das Prince für einen Songtitel verwende von Nine Eleven“.  Der Guerrilla-Stadtführer glaubt, dass Touristen nicht nur „ein Wochenende im 19.Jahrhundert verbringen wollen“, es auch Alternativführungen geben muss. Über den Streit mit der Wirtschaftskammer lacht Eugene Quinn nur: „Das ist die beste PR für uns.“

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