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Foto: Diagonale/Stelzl

Zur Eröffnung der Diagonale in Graz
Fischer, Mangold und ein Appell gegen die Ausgrenzung

Das neue Festivalleiter-Duo Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger, einigermaßen uncharmant und phantasielos „die Jungs“ genannt, strahlten und überraschten bei ihrer Eröffnungsrede. Verhaspler inklusive, waren sie souverän, routiniert, und politisch. In den vergangenen Jahren waren die Eröffnungsreden der Intendanz oft kulturpolitische, flammende Aufrufe, der Kunst mehr Raum und mehr Geld zuzugestehen, nicht so diese erste Rede der neuen Intendanten. Es ging um nichts weniger als den aktuellen politischen Zustand um uns herum, ein Aufruf sich dem Aus-und Abgrenzen entgegenzustellen, es ging um Grenzen, die es so nicht geben sollte, um den Kontext des Kleinen im Großen. So ruhig und so einleuchtend, dass man sich fragt, wieso das sonst so schwer zu verstehen sein soll. In der voll besetzten Helmut-List Halle wurde die Rede immer wieder von Applaus unterbrochen. Im Kontrast dazu ein fast privater Bundespräsident Heinz Fischer, der sich in seiner kurzen Ansprache eher auf den Eröffnungsfilm, „Maikäfer, flieg“ nach dem Buch von Christine Nöstlinger, bezog, kurz einen Einblick in seine Erfahrung als Junge am Ende des Krieges gab und das Podium dann in Vorfreude wieder verließ.

Standing Ovations für Ernie Mangold

Stehenden Beifall gab es für die 86-jährige Schauspielerin Ernie Mangold, die den großen Schauspielpreis der Diagonale bekam und ihrerseits den Part übernahm, mehr Kunst- und Kulturförderung einzufordern. Preise, so schön sie sind, ernähren Kunstschaffende langfristig nicht.

Die Welturaufführung des autobiographischen Nöstlinger Romans ist schon im Vorfeld sehr beworben worden und ist ab Freitag in den österreichischen Kinos zu sehen. Wohl am häufigsten in den Medien besprochen wurde das „Frauenteam“ des Films, bei genauer Betrachtung stimmt das nicht so ganz. Ja, Regie (Mirjam Unger), Kamera (Eva Testor), Schnitt (Niki Moosböck) und Produktion (Gabriele Kranzelbinder) alles Frauen, das ist gut so, schade, und am Weltfrauentag auch irgendwie deprimierend, dass das schon als Besonderheit und Ausnahme herhalten muss.

Der Film unterhält, trotz einiger Längen, vor allem getragen von der sensationellen zehnjährigen Hauptdarstellerin Zita Gaier. Die Geschichte der letzten Wochen des 2. Weltkriegs in Österreich ist eine handwerklich solide Arbeit, etwas bieder insgesamt, etwas zu lang, und kann doch auch berühren, weil mehrheitlich aus der Sicht eines Kindes erzählt und erlebt wird.

Die kommenden Tage werden zeigen, was das österreichische Filmschaffen darüber hinaus zu bieten hat. Es gibt neue Programmschienen, die den heimischen Film in Kontext zu Filmen aus anderen Ländern setzt oder eine Reihe, die politische Aufarbeitung, 30 Jahre nach der Waldheim Affäre, thematisiert. Das Festival scheint nicht nur im Design erneuert worden zu sein, auch inhaltlich kann sich etwas bewegen.

Und die neuen Intendanten sind, wie das der Moderator der Eröffnung so schön sagte, im besten Außenministeralter. Gestartet sind sie auf jeden Fall schon sehr gut.

www.diagonale.at

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