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Die komplette Klasse hat sich dazu entschlossen Gebärdensprache zu lernen. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Alle für Einen
Bosnische Schulklasse lernt Gebärdensprache

Sie sind sechs oder sieben Jahre alt, allesamt Erstklässler an einer ganz normalen Grundschule in Sarajevo. Zejd ist einer von ihnen. Er kann nicht hören. Von Geburt an. Doch seine 31 Mitschülerinnen und Mitschüler wollen ihm helfen. So lernen sie nun alle gemeinsam die Gebärdensprache.

Obwohl in Bosnien seit 2003 die Integration von Kindern mit einer Behinderung vorgeschrieben ist, bleiben die guten Vorsätze oft nur leere Worte auf dem Papier. Denn Inklusion ist kostenaufwendig und die staatlichen Kassen sind leer.

Eigeninitiative und Kreativität sind gefragt, wenn in Bosnien staatliche Institutionen versagen. So hat Zejds Klassenlehrerin Sanela Ljumanovic keine einzige Minute gezögert, den schwerhörigen Zejd in ihre Klasse aufzunehmen. Die Vorgesetzten an der Schule konnte Sanela vor allem mit ihrer Lebenseinstellung „Nema problema!“ (Jedes Problem wird gelöst!) überzeugen.

Niemand in der Klasse beherrschte Gebärdensprache, selbst Zejd nur gerade mal ein paar Gesten. Die Klassenlehrerin Sanela und die Kinder haben dann erst einmal eine eigene Gebärdensprache erfunden, um sich mit Zejd verständigen zu können. Doch das reichte nicht.

Dann kam eine Mutter auf die Idee, doch einfach eine Fachkraft für Gebärdensprache zu engagieren, die die ganze Klasse unterrichtet. Die anderen Eltern sagten Ja und einigten sich auch darauf, die Finanzierung gemeinsam zu übernehmen.

Jetzt lernen die Kleinen die Gebärdensprache einmal pro Woche. Die Klassenlehrerin Sanela lernt natürlich mit. Zejd lernt zusätzlich auch noch, von den Lippen abzulesen.

Jedes Kind hat sein eigenes Zeichen: Die kleine Uma trägt eine Brille. Wenn man nun Zejd auf Uma hinweisen will, so wird mit den Fingern eine Brille gezeigt. Es können aber auch Passionen sein, wie etwa bei Vedad, der sich brennend für Motorräder interessiert. Man muss nur die Arme so positionieren, als ob man Motorrad fährt und schon weiß Zejd, dass Vedad gemeint ist. Hat jemand aber große Augen wie Alen, dann genügt schon ein Zeigefinger in Richtung Augen. Und wenn man seine Arme vor der Brust kreuzt und dabei die Hände auf die Schulter legt, dann bedeutet das: Zejd.

 

Klassenlehrerin Sanela ist glücklich. Ebenso Zejds Mutter. Und Zejd geht unheimlich gerne in die Schule, weil er auch merkt, es ist eine ganz besondere Schulklasse, die er bekommen hat.  Denn die Realität in Bosnien ist normalerweise ganz anders: Hier regieren Politiker, die ständig Unterschiede zwischen den Menschen im Land betonen, wie etwa nationale oder religiöse. Oft mit dem Ziel: andere auszugrenzen – was im Alltag der Menschen in Bosnien nicht einmal als etwas Ungewöhnliches empfunden wird. Doch Zejds Schulklasse ist ein hoffnungsvolles Gegenbeispiel, hier existiert keine Ausgrenzung

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