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Mutter, die ihren Jungen im Sonnenuntergang hält. (Gevgelija, August 2015). Foto: BR | Besnik Hamiti

Flüchtlingskinder
Von Besnik Hamiti der selbst einst Flüchtling war

Bei der Flucht vor dem Krieg im Jahre 1999 wurde ich einer der 800 000 Kosovaren, die in den Nachbarländern Zuflucht suchten. Drei Monate lebte ich damals selbst als Flüchtling in Mazedonien. 16 Jahre später war ich wieder am gleichen Ort, diesmal aber als Mitglied eines ARD-Teams, das über das Flüchtlingsdrama an der mazedonisch-griechischen Grenze berichtete. Szenen aus der Vergangenheit wurden dabei lebendig.

1999:

Tausende saßen im Niemandsland fest. Die Grenze, die Polizei, die Schienen, weinende Kinder, Mütter, die sie bei eisigen Temperaturen oder sengender Hitze zu trösten versuchen, eine aufgebrachte Mutter, die ihr verlorenes Kind sucht, ein Junge, der allein auf der einen Seite der Grenze sitzt, während sein Vater es nicht durch die Absperrkette der Polizei schaffte – ein Déja-vu.

Ich habe es nicht nur gesehen, ich habe es vor fast zwei Jahrzehnten selbst durchlebt. Die zweihundert Meter bis ins „gelobte Land“ schienen manchmal unerreichbar fern. In jener Zeit war ich der Sohn meiner Eltern und nicht der Vater meines Sohnes, weshalb es für mich viel leichter war. Ich hatte die Hälfte meiner Familie zurückgelassen in einem Land, über das die Flammen des Krieges hinwegrasten. Da war keine Zeit, an andere zu denken, es war für jeden Einzelnen entscheidend, sich in Sicherheit zu bringen – ein weiteres gerettetes Leben.

2015:

Tausende von Migranten habe ich in der Nähe von Gevgelija über die Grenze strömen sehen, auf dem Weg zum nächsten Bahnhof und dort auf den Transport zur nächsten Grenze hoffend. Wenn die Züge den Ansturm nicht mehr bewältigen konnten, setzte man Busse ein. Bemerkenswert war: Viele der Menschen waren sehr junge Paare und Kinder – wahrscheinlich weigerten sich die Älteren, ihre Heimat zu verlassen, in der Hoffnung, diese bewahren zu können. Das Leid der Flüchtlinge endete hier aber nicht, sie hatten noch viele weitere Grenzen zu überwinden, denn ihr Ziel war Deutschland, weit genug weg vom Krieg, der kein Ende finden will. Mazedonien hat nun kürzlich auch entschieden, einen 37 Kilometer langen und 4 Meter hohen Zaun entlang der Grenze zu Griechenland zu errichten, um das Einreisen illegaler Migranten zu verhindern (nämlich all jener, die nicht aus Syrien oder dem Irak kommen).

Als der Krieg im Kosovo vorbei und der Friede wiederhergestellt war, kamen fast alle Flüchtlinge zurück in den Kosovo, wobei sie mit ihrer Rückkehrgeschwindigkeit einen Weltrekord aufstellten. Für mich war es der glücklichste Tag meines Lebens. Dies wünsche ich den Flüchtlingen und ihren Kindern mehr als alles andere.

Diese Fotografien zeigen die verletzlichsten und unschuldigsten Flüchtlinge, die wirklichen Opfer jeden Krieges und jeden Konflikts – die Kinder. Angst, Freude, Verzweiflung, Unsicherheit – Dimensionen von Flucht.

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