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Marko und Dusan von „Crazy enough to change the world“. Foto: Dusan Adamovic

Serbische Privatinitiative
„Verrückt genug“ um die Welt zu verändern

Was muss man tun, um eine bessere Welt zu schaffen? Zuerst seinen Job aufgeben, zumindest eine Zeit lang. Eine kluge Entscheidung? Kann sich so etwas lohnen?
Zwei Belgrader Enthusiasten, von Beruf Marketingexperten, Marko Romcevic (35) und  Dusan Adamovic (37) versichern mir selbstbewusst, dass sie ihre Entscheidung nie bereut hätten. Ihr Wissen und Können aus der Werbewelt nutzten sie, um die Initiative „Crazy enough to change the world“ ins Leben zu rufen, die die Welt zu einem besseren Ort macht. Oder zumindest dazu beitragen soll.

„Um sich mit etwas zu beschäftigen, was sinnvoll ist, was der Welt helfen kann… braucht man Zeit. Das kann man nicht ernsthaft parallel mit den kommerziellen Projekten so nebenbei machen“, erklärt Dusan leidenschaftlich. Ihre Arbeitgeber zeigten Verständnis, gaben ihnen unbezahlten Urlaub, auch wenn dadurch eine Abteilung ihrer Werbe-Agentur für sechs Monate praktisch stillgelegt war. Mit nicht zu unterschätzendem finanziellen Risiko für das tägliche Geschäft.

Kindermissbrauch, Gewalt gegen Frauen, Brustkrebs, Rassismus, Umweltprobleme, Notwendigkeit der Organspende… alles sozialrelevante Themen, die nicht nur Menschen in Serbien betreffen, sondern auch sie ganz persönlich. „Uns stören sie und sind zugleich global, wie z.B. die Gewalt gegen Frauen. Das Problem ist hier wie in New York präsent. Vielleicht prügelt der Täter nur in einem schöneren Apartment auf Manhattan, oder schlägt mit Gegenständen zu, die teurer sind. Der Schmerz ist aber gleich, das Problem ist das Gleiche. Und so sagten wir uns: Das ist ein globales Problem, das uns stört, versuchen wir es zu bekämpfen. So kamen wir zu den Themen“, sagt Marko. Das Bewusstsein für den jeweiligen Missstand zu erhöhen, darin sehen sie ihre Hauptaufgabe. Doch auch wenn nur das Leben eines Menschen gerettet oder zum Besseren verändert würde, sähen sie ihr Ziel erfüllt.

Die beiden pfiffigen Belgrader überlegten sich, wie sie mit einer Initiative, die bei Null beginnt, möglichst viele Menschen erreichen. Sie kamen dabei auf eine ganz simple Idee, die alle zufrieden macht: Sie bieten etwas kostenlos an, andere nehmen das, weil sie es aus irgendeiner persönlicher Motivation brauchen und verbreitet damit automatisch Markos und Dusans Idee.

Und das, was sie kostenlos anbieten sind top-produzierte Videos über „ihre“ Themen.  Ihre Partner sind Musiker, Medien, Organisationen, die aus einer offenen und kostenlosen, kreativen „Bibliothek“ ihre Arbeiten im Video- oder einem anderen Format bzw. Internetkampagnen völlig kostenlos übernehmen können.

 

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TUTORIAL: How to defend yourself against domestic abuse

Alle Videos stehen zur freien Verfügung. Die serbische Band S.A.R.S. benutzte zum Beispiel dieses Video über häusliche Gewalt für ihren Song „Prakticna Zena“.

Da im durch die Wirtschaftskrise gebeutelten Serbien viele Musik-Bands kein Geld für eigene Videos haben, knüpften Dusan und Marko über den Musiksender MTV Kontakt mit der serbischen Band S.A.R.S., die im ex-jugoslawischen Raum populär ist. Die Gruppe übernahm sofort das Video über „Gewalt gegen Frauen“ für einen ihrer Songs. Das Echo war gewaltig: über 1 Million Views – und das in einem so kleinen Land wie Serbien. Dieses Video, in dem die Frau kein hilfloses Opfer ist, sondern sich wehrt, benutzte auch ein Latino-Pop Star aus den USA, der auf diese Weise den misshandelten Frauen in Mexico und den USA helfen will.

Nutzer der Videos können mit ihnen machen, was sie wollen… Musik austauschen, kürzen, eigene Logos einsetzen, einfach alles, um das Video ihren Bedürfnissen anzupassen. Eins dürfen sie aber nicht machen: den Sinn verändern, erklärt Marko. Ihre Ideen breiteten sich in der ganzen Welt aus, Reaktionen kamen von überall. Ihre Kampagne in den Sozialnetzen über die Notwendigkeit des Organspendens, „Give a Heart“, wurde von vielen Prominenten unterstützt, u.a. auch von den „Victoria´s Secret Angels“, Modells, die Marko und Dusan sich nie für ihre Kampagne hätten leisten können.

Hilfsbereitschaft und Enthusiasmus Anderer waren auch bei der Produktion notwendig, um die Kosten überschaubar zu halten, aber trotzdem „high Quality“  zu produzieren. „In diesen sechs Monaten musste ich so viele Leute um Gefallen bitten, wie in meinem ganzen Leben nicht. Aber Menschen sind bereit zu helfen. Wenn man ihnen erklärt wofür das ist, liegen auch die Preise und Bedingungen unter jenen, die auf dem Markt herrschen“, scherzt Marko. An Verständnis mangelte es anfangs allerdings in den eigenen Familien. Nicht weil sie die Leidenschaft der Beiden nicht verstehen und unterstützen wollten, sondern wegen der ganz konkreten Frage:  werden wir diese sechs Monate finanziell überleben?

Dusan und Marko und ihre Familien haben „überlebt“ und wollen weiter machen, denn es ist eine Basis entstanden, die sie nicht einfach so aufgeben wollen. Sie werden wahrscheinlich nicht mehr wieder für sechs Monate ihre Jobs hinschmeißen, aber auf jeden Fall das Projekt wieder aus eigener Tasche finanzieren. Ideen für neue Projekte sind schon da:  Intoleranz gegenüber Roma, Parken auf Behindertenparkplätzen … „Stoff ist leider zur genüge vorhanden“, sagt Dusan. Doch zuvor gilt es noch ein globales Projekt zu starten, das sie bereits unter Dach und Fach haben – gegen das Rauchen, gedreht im Wiener Museumsquartier.

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