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Foto: BR | Michael Mandlik

Mazedonien
Zusätzlicher Grenzzaun in Gevgelija

Ich meine, diesen Ort zu kennen – obwohl ich nun zum ersten Mal hierher komme. Ein merkwürdiges Gefühl. Ich habe das alles schon mal gesehen, in den Bildern der Eurovision, der Kamerateams etwa von ap und Reuters – vor allem aber, weil unser mazedonischer Kameramann Dejan uns in regelmäßigen Abständen mit Bildern von hier beliefert, seit es diese Flüchtlingskrise gibt. Das Bahngleis entlang der griechisch- mazedonischen Grenze, das Flüchtlingscamp mit den großen blauen UNHCR-Aufschriften, die staubige Straße gesäumt von Stacheldrahtrollen, der schmale Grenzkorridor mit mazedonischen und griechischen Polizisten, die die Papiere aller Flüchtlinge kontrollieren, bevor sie auf die mazedonische Seite passieren dürfen. Es ist früher Abend. Mazedonische Soldaten besteigen gerade die Ladefläche von vorgefahrenen Militär-LKW’s. Sie wirken erschöpft. Offensichtlich waren sie den ganzen Tag mit dem Ausbau der Grenzanlagen beschäftigt, die ich nun ebenfalls zu Gesicht bekomme. Und er ist wirklich mächtig, dieser zusätzliche zweite Grenzzaun, der im Abstand von etwa vier Metern hinter dem bereits bestehenden ersten errichtet wurde. Ein etwa drei bis vier Meter hohes, stabiles und stacheldrahtbewehrtes Hindernis, wie man es auch in Deutschland von großen militärischen Anlagen oder Flughäfen her kennt. Nach einem Provisorium sieht das jedenfalls nicht aus.

 

Es ist auch absolut ruhig an diesem frühen Abend im Grenzabschnitt Gevgelija, benannt nach der mazedonischen Stadt in Sichtweite des Zauns. Etwa hundert Flüchtlinge warten auf griechischer Seite unmittelbar am Grenzkorridor. Viele Frauen mit Kindern sind darunter, aber weder Lachen noch Weinen, nicht mal Gespräche sind zu vernehmen. Die Grenzabfertigung durch die griechischen und mazedonischen Beamten erfolgt mit großer Routine. Beinahe könnte man den Eindruck gewinnen, als sei dies hier alles völlig normal – Flüchtlingsalltag eben. Auch die griechische Grenzpolizistin mit den auffallend langen schwarzen Haaren ist da; sie hat inzwischen eine gewisse mediale Berühmtheit erlangt, wohl auch weil sie abseits jeglicher Grenzroutine allen passierenden Flüchtlingen mit ausgesprochener Freundlichkeit, ja Herzlichkeit begegnet – der heimliche Star aller Kamerateams. “ You are famous“, sage ich zu ihr, “ I know you from TV“. But it seems, that you are always working.“ “ Really?“, fragt sie lächelnd und winkt gleichzeitig ab: „It’s ok. Really, it’s ok“, und geht gleich wieder einer passierenden Mutter mit drei kleinen Kindern helfend zur Hand. Nebel zieht auf über dem Land bevor es nun ganz dunkel wird – und durch den Stacheldrahtzaun hindurch blinken die Lichter des nahen Städtchens Gevgelija.

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