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Twitter Fadil Novalic

Der bosnische Premier Fadil Novalic macht sich zum Gespött des Landes
Fadil, vergib mir!

Der Premierminister der Föderation Bosnien-Herzegowina Fadil Novalic scheint ein ungewöhnlich inniges Verhältnis zu den Bürgerinnen und Bürgern seines Landes zu haben. Sie sehen in ihm offensichtlich eine Art Vaterfigur, was ein Blick auf seinen Twitter-Account bestätigt: Täglich flehen ihn seine bosnischen Untertanen um Vergebung an:

 

„Ich hatte heute Kaffee mit Milch. Fadil, vergib mir!“

„Ich habe heute ein Bad genommen und es ist kein Sonntag! Fadil, vergib mir!“

„Meine Frau hat  Bohnensuppe gekocht. Selbstverständlich ohne Fleisch. Aber ich habe etwas trockenes Brot reingetan. Fadil, vergib mir?“

„Ich habe zwei Nieren. Fadil, vergib mir!“

 

Premier Novalic hatte aufgrund seiner privaten Untersuchung bei einer Handelskette herausgefunden, dass die Bosnier zu viel Kaffee und Wein trinken, zu viel rauchen, telefonieren und Auto fahren. Es ginge ihnen schlichtweg zu gut, so Fadil. Sie seien verschwenderisch, behauptete er und tat seine unzweideutige Meinung sofort öffentlich kund. Unmittelbar nach diesem legendären Fernsehauftritt schüttete ihn die luxusorientierte Nation auf Twitter, unter Hashtag 31 Fadil, vergib mir), mit Abbitten zu. Voller Phantasie und Ironie berichten die Menschen über ihre „Alltagssünden“ und bitten Fadil Novalic um Vergebung. Somit bescheinigen sie ihrem Premier kompletten Realitätsverlust.

 

Die nationalen Statistiken bestätigen, dass das Land und seine Menschen in der Armut versinken. Ein Bosnier verdient im Durchschnitt rund 400 Euro im Monat, wenn er überhaupt  eine Arbeit hat. Die Arbeitslosenquote liegt in Bosnien bei über 40 Prozent. Das ist sogar für den Balkan erschreckend. Da verwundert es nicht, dass 80 Prozent der jungen Menschen so ein Land verlassen wollen.

 

Aber hier endet unsere Geschichte nicht. Premier Novalic ist angesichts der Reaktion der Öffentlichkeit überrascht. „Ich verstehe nicht, warum Bosnier nicht die Wahrheit vertragen können“, entrüstet er sich. Um dies zu illustrieren schlägt er nun den „Verschwendern“ eine weitere bittere Wahrheit ins Gesicht: „In den letzten 20 Jahren haben wir ein Drittel unserer Babys verloren, denn zwischen 1996 und 2015 sank die Geburtenrate um ein Drittel. Wird es den Bürgern besser gehen, wenn ich ihnen diese Wahrheit verschweige?“

Die Antwort eines bosnischen Journalisten darauf lautet: „Sie ficken zu wenig. Fadil, vergib ihnen!“

 

Auch die bosnische Band DUBIOZA KOLEKTIV hat sich an #fadiloprosti beteiligt und ihren Song „Tranzicija“, in dem sie die korrupten und herzlosen Machenschaften der Wendepolitiker anprangert, dem Premier gewidmet:

 

„Transition gelungen, Patient tot.
Verarscht wurde jeder, der nicht abgehauen ist.
Das alte System war nichts wert, ein Neues ist gekommen.
aber kein Kapitalismus, sondern Feudalismus“.

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DUBIOZA KOLEKTIV

„Tranzicija“

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