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30. Dezember 2015

Ein Jahr des Abschieds

Jahresrückblick von Susanne Glass

Für mich war 2015 ein Jahr des Abschiednehmens.

Manches Mal war ich melancholisch, vor allem aber war ich dankbar für diese spannenden Erfahrungen, die vielen interessanten Reisen und über die Freundschaften, die entstanden sind. Weil für mich nach 15 Jahren meine Zeit in Wien und Südosteuropa zu Ende geht. Ich habe diese Stadt, sowie die ganze abwechslungsreiche Region und ihre Menschen sehr ins Herz geschlossen.

Vor allem aber meine Kolleginnen und Kollegen in allen Ländern des Berichtsgebietes und im Studio Wien. Ein so wunderbares Team. Ich danke Euch allen sehr für Eure professionelle Unterstützung und persönliche Freundschaft.

Den Platz in meinem Herzen werdet ihr immer behalten!

Nach 15 Jahren war die Zeit aber auch reif für eine neue Herausforderung, auf die ich mich sehr freue. – Nämlich die Leitung des ARD-TV-Studios in Tel Aviv. Auch ein sehr spannendes Berichtsgebiet mit tollen Kolleginnen und Kollegen.

Susanne Glass mit dem Flüchtlingsjungen Nihat am Budapester Bahnhof Keleti. Foto: BR
Susanne Glass mit dem Flüchtlingsjungen Nihat am Budapester Bahnhof Keleti. Foto: BR

Das gute an einer Zeit des Abschiednehmens ist, dass man alles ganz bewusst erlebt. Und dies habe ich dann auch im zurückliegenden Jahr getan. Ganz gezielt und privat noch Regionen in Österreich bereist, wo ich schon lange hinwollte. Intensiv meine Hobbys betrieben. Schwimmen und Schauspiel. Beruflich habe ich mich darüber gefreut, dass ich die Gelegenheit hatte, Menschen noch einmal zu besuchen, über die ich schon vor Jahren berichtet hatte. Etwa Alen Muhic in Bosnien-Herzegowina, der aus einer Kriegsvergewaltigung stammt, seine Eltern nie kennengelernt hat. Aber der sich dank liebevoller Adoptiveltern zu einem sehr sympathischen, im Leben fest verankerten jungen Mann entwickelt hat – neuerdings auch zu einem liebevollen Ehemann. Alen hat im Sommer geheiratet. Der Film über ihn wird jetzt sogar Jugendlichen in Ruanda gezeigt. Als Teil einer Therapie, die ihre Kriegstraumata lindern soll. Schön, wenn sich Geschichten so entwickeln. Gerade auch im Jahr 20 nach dem Massaker von Srebrenica. Eine weitere Begegnung, die mich sehr beeindruckt hat, war die mit dem syrischen Flüchtlingsjungen Nihat auf dem Budapester Bahnhof. Und einige Monate später unser Besuch bei ihm und seiner Familie in der neuen Heimat Finnland.

Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich schon in Tel Aviv. Ich habe gerade den Mietvertrag für meine Wohnung unterschrieben. Nach dem Jahr des Abschiednehmens steht nun ein Jahr des Neubeginns an. Ein ziemliches Gefühlschaos. Aber vor allem fühle ich mich dabei sehr lebendig.

Und ich freue mich auch, dass das TV-Studio mit Michael Mandlik, der lange Jahre Korrespondent in Rom und im Vatikan war, einen neuen Leiter bekommt, den ich persönlich und professionell sehr schätze.

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