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28. November 2015

Ceca – Die umstrittene Turbofolk-Königin Serbiens

Knappes Glitzerkleid, üppige Oberweite, pralle Lippen, wallende braune Haarpracht und knallrote Fingernägel: Ceca, die Königin des Turbofolks steht in Vösendorf bei Wien auf der Bühne. „Wir lieben dich, Ceca!“ rufen junge Frauen aus dem Publikum im Sprechchor auf Serbisch. Die Sängerin wirft den weiblichen Fans Kusshände zu und widmet ihnen den nächsten Song. Tränen fließen, als sie mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme „Kukavica“ (dt. „Feigling“) singt – ein Lied über eine Geliebte, deren Liebhaber seine Frau nicht für sie verlässt.

Politisch sind Cecas Lieder nicht. Dennoch ist kaum ein Star auf dem Balkan so umstritten wie sie. Die Liste an Vorwürfen ist lang: Verheiratet war Ceca mit Zeljko Raznatovic, alias Arkan, einem der gefürchtetsten Männer im Serbien der 1990er Jahre, Anführer der berüchtigten paramilitärischen „Tiger-Einheit“ und angeklagt wegen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien. Im Jahr 2000 wurde Arkan erschossen, die Hintergründe seines Todes liegen bis heute im Dunkeln. Auch Ceca selbst ist kein unbeschriebenes Blatt: Ihre Nähe zur serbischen Unterwelt ist ein Überbleibsel aus ihrer Ehe mit Arkan. 2003 kam die Sängerin wegen illegalem Waffenbesitz für vier Monate in Untersuchungshaft – von der Existenz der Waffen will sie nichts gewusst haben. Als Präsidentin eines serbischen Fußballklubs wurde sie wegen Veruntreuung von Geldern verurteilt. Ceca zahlte eine Geldstrafe und musste fast ein Jahr im Hausarrest sitzen.

All das gehöre der Vergangenheit an, sagen ihre Fans. „Heute noch darüber zu reden, bringt niemandem etwas. Außerdem geht uns ihr Privatleben nichts an“, sagt Zoran, der mit seiner Tochter Mila und seiner Frau Branka das Konzert in Vösendorf besucht. Mila hat von all dem noch nichts gehört. Sie ist fünfzehn Jahre alt, geboren im selben Jahr, als Cecas Ehemann in Belgrad erschossen wurde. „Für die jungen Leute steht die Musik im Mittelpunkt, so soll es auch sein“, sagt ihr Vater. Für Branka ist Ceca vor allem eines: Ein Vorbild für Serbinnen, unabhängig ihres Alters. Für Branka selbst als fürsorgliche Mutter zweier Kinder, die aus der Ehe mit Arkan stammen. Für ihre Tochter Mila als Stilikone: „Wie sie sich kleidet, wie sie ihr Leben gestaltet, ihre Herzlichkeit – viele Mädchen wollen so werden wie Ceca“.

Männer himmeln sie an, Frauen eifern ihr nach: Ceca bei ihrem Konzert in Vösendorf bei Wien. Foto: BR | Isabella Purkart
Männer himmeln sie an, Frauen eifern ihr nach: Ceca bei ihrem Konzert in Vösendorf bei Wien. Foto: BR | Isabella Purkart

Bis Ceca zu dem wurde, was sie heute ist, war es ein langer Weg. Für viele Serben ist ihr Leben ein wahrgewordenes Märchen. 1973 in Südserbien als Svetlana Velickovic in bescheidenen Verhältnissen geboren, wusste Ceca bereits früh: Sie will berühmt werden. Tagsüber ging sie zur Schule, am Abend trat sie in Kneipen auf und sang. Im zarten Alter von 14 Jahren veröffentlichte Ceca mit ihr erstes Album. Mit 22 Jahren heiratete sie Arkan, der damals fast doppelt so alt war wie sie. Arkans Macht und Einfluss halfen bei ihrem großen Durchbruch. Seitdem singt Ceca in Konzerthallen auf dem ganzen Balkan vor tausenden Zuschauern, ihre Alben verkaufen sich millionenfach. Den Turbofolk, die auf dem Balkan populäre elektronisch aufgemotzte Volksmusik, hat Ceca entscheidend mitgeprägt.

Ceca, Jurorin bei einer serbischen Castingshow, greift im Finale selbst zum Mikrofon:

An Dramatik hat es in ihrem Leben nie gefehlt. In einem Interview mit dem „Observer“ sagte sie vor zehn Jahren, dass nicht einmal Hollywood eine Lebensgeschichte wie die ihre zu bieten habe. Das wird sich nun ändern: Im Februar sollen die Dreharbeiten zu einem Film über Ceca und Arkan starten. Ceca ist nicht begeistert vom Vorhaben, das ihren verstorbenen Gatten als erbarmungslosen Mörder zeigen wird. Über die Darstellerin, die sie verkörpern wird, beschwert sie sich aber nicht, sagte sie einem serbischen Internetportal. Die Rolle der Ceca soll Eva Mendes übernehmen – sie gilt als eine der schönsten Frauen der Welt. Auch Cecas Fans in Vösendorf sind mit dieser Wahl zufrieden. Ihre Königin des Turbofolks wird in Hollywood so zumindest optisch ins beste Licht gerückt.

Mitarbeit: Isabella Purkart

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