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16. Oktober 2015

Gewalt als letzte Konsequenz von Grenzschließungen

Kommentar von Srdjan Govedarica

Es heißt doch immer – Wenn eine Waffe im Haus ist, dann wird auch irgendwann geschossen. Diese Binsenweisheit ist jetzt traurige Realität geworden, wir haben den ersten Toten auf der Balkanroute, der durch Schüsse von Grenzbeamten gestorben ist. Vorneweg: Ich finde es unerträglich, dass Menschen an den EU-Außengrenzen sterben müssen. Egal mit welchen Beweggründen sie hierhin wollen.

Grenzzaun zwischen EU-Land Bulgarien und der Türkei. Foto: picture alliance | dpa
Grenzzaun zwischen EU-Land Bulgarien und der Türkei. Foto: picture alliance | dpa

Es muss aber auch klar sein, dass die letzte Konsequenz von geschlossenen Grenzen immer Gewaltanwendung ist. Die Menschen, die nach Europa wollen, werden nicht umkehren, nur weil offizielle Grenzübergänge geschlossen sind. Sie werden andere Wege suchen und über die grünen Grenzen gehen. Wer Grenzen wirklich dicht machen will, der muss Zäune bauen, und bewaffnete Soldaten zur Sicherung dieser Zäune einsetzen. Diese Soldaten müssen dann zur Not auch irgendwann schießen. Das ist ihre Aufgabe, eine Aufgabe, die wir alle ihnen übertragen haben.

Sind wir bereit, auf Menschen zu schießen, die zu uns wollen? Darüber muss eine öffentliche Debatte geführt werden. Wenn zum Beispiel Horst Seehofer damit droht, die Grenze zu Österreich zu schließen und Flüchtlinge abzuweisen, wird das nicht ohne Gewaltandrohung möglich sein – letztlich könnten also auch an unseren Grenzen Schüsse fallen. Ist uns das klar? Können wir das als Gesellschaft aushalten? Ich glaube nicht. Deshalb finde ich diese Grenzschließungsdebatte auch scheinheilig. Und dass wir die Bulgaren – da irgendwo weit weg im Südosten Europas – die Drecksarbeit erledigen lassen, finde ich ehrlicherweise ziemlich feige.

Wer seinen Garten einzäunt und sich eine Schrotflinte anschafft, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch irgendwann schießen. Das gilt auch für die Außengrenze der EU und das müssen die Verantwortlichen für Zäune und Grenzschließungen auch offen sagen. Damit ihre Bürger und Wähler wissen, was auf sie zukommen kann.

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