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7. Oktober 2015

„Onkel Arpi“ ist tot – Arpad Göncz ist im Alter von 93 gestorben



Er war einer der beliebtesten Politiker Ungarns: Bescheiden, klug, zugewandt, und ein aufrechter Demokrat. Arpad Göncz ist im Alter von 93 im Kreis seiner Familie gestorben. Der erste demokratisch gewählte Nachwende-Präsident war 1990 als Liberaler von einem rechtsgerichteten Premier, József Antall, vorgeschlagen – und gewählt worden. Gleich zwei Mal.
Nach zwei Amtszeiten musste der Jurist, Agrarwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer im Jahr 2000 sein Amt an Ferenc Madl abgeben. In seiner Abschiedsrede gab Göncz diesem mit auf den Weg, Menschlichkeit dürfe der einzige Maßstab sein, um einen Menschen zu bewerten. Göncz war in der Wende-Zeit einer der Mitbegründer des SZDSZ, des Bundes der demokratischen Liberalen – einer Partei, die es heute nicht mehr gibt. Genausowenig wie das national-konservative Ungarische Demokratische Forum (MDF) von Premier Antall. Liberal – das gilt im heutigen Ungarn als Schimpfwort.
Göncz schaffte es noch, Gräben mit Freundlichkeit zu überwinden. Welch ein Kontrast zu heute, da ein hochrangiger Regierungspolitiker in Budapest ungestraft sagen kann, ein Mensch sei soviel wert, wie er hat.
1922 in Budapest geboren, hat sich Arpad Göncz immer wieder neu erfunden: Er war im Widerstand gegen die Nazis, er engagierte sich 1956 während des Aufstandes und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, später amnestiert. Die Haft nutzte Göncz zum Englisch-Studium. Die Sprache  lernte Göncz so gut, dass er fortan übersetzte, so übertrug er Tolkiens „Herr der Ringe“ ins Ungarische. Nebenbei schrieb Göncz selbst  Romane, Theaterstücke und Erzählungen.

Jetzt ist „Onkel Arpi“ tot, ein Ungar von Format.

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