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3. Oktober 2015

Zwei Welten in einer EU – Flüchtlings-Lager in Ungarn und Kroatien

ARD Fernsehen-Korrespondentin Ilanit Spinner erlebte während ihrer Berichterstattung, wie Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Europa ganz unterschiedlich behandelt werden:

„Zu Beginn des Monats war ich eine Woche in dem ehemaligen ungarischen Auffanglager in Röszke im Einsatz. Nun ging es für mich ins kroatische Opatovac. Schwer zu glauben, dass beide Camps zu Europa gehören.“

Nur gut 180 Kilometer liegen zwischen Röszke und Opatovac. In Sachen Menschlichkeit und Fürsorge liegen zwischen den beiden Auffanglagern aber Welten. Auch die Regierung und die Beamten vor Ort könnten sich kaum mehr voneinander unterscheiden. Unvergessen die entsetzten Gesichter der vielen Mütter bei deren Ankunft in Röszke, angesichts dessen, was die Flüchtlinge hier vorfanden: Müllberge, Gestank, kaum medizinische Versorgung, keine Decken, kein Wasser. Viele mussten mehrere Nächte bei 6 Grad im Freien verbringen. Zudem der raue Ton der ungarischen Polizei gegenüber den Menschen.

In Opatovac wurden Heizkörper geliefert, damit die Flüchtlinge nicht frieren. Zwar sind die meisten von ihnen nur etwa 6 Stunden in dem Durchgangslager, aber die Behörden versuchen es den Neuankömmlingen trotzdem so angenehm wie möglich zu machen. Es gibt Zelte, Wasser und warmes Essen.

Ein syrischer Mann spricht uns an, sagt, er wird nie vergessen, wie gut seine Frau und seine drei Kinder hier behandelt und umsorgt worden sind. Einige Familien sind auf dem Weg nach Kroatien getrennt worden, hier versucht man sie wieder zusammenzubringen. Mehr als 70 Familien konnten bislang vereint werden. Bei ihrer Abreise aus dem Camp winken uns die Flüchtlinge von den Bussen aus zu, die Polizisten winken zurück.“

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