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4. September 2015

Verzweifelte Flüchtlinge in Bicske und Budapest

https://soundcloud.com/ard_studio_wien/aktuelle-lage-in-bicske-und-budapest-autor-ralf-borchard

Mit einem Hungerstreik versuchen hunderte Flüchtlinge in der ungarischen Kleinstadt Bicske verzweifelt, Druck auszuüben. Sie weigern sich weiter, den gestern dort gestoppten Zug zu verlassen. Vom Budapester Ostbahnhof aus hat sich eine Demonstration durch die Innenstadt in Bewegung gesetzt. „Wir gehen zu Fuß nach Österreich“, riefen Flüchtlinge laut Augenzeugen. Zuvor hatten die österreichischen Grünen gefordert, die Botschaften von EU-Ländern in Budapest für Flüchtlinge zu öffnen. Außenminister Kurz müsse auf EU-Ebene darauf drängen, so die österreichische Grünen-Vorsitzende Glawischnig. Aus Südungarn wird gemeldet, hunderte Flüchtlinge seien aus dem dortigen Erstaufnahmelager Röszke geflohen. Die Polizei, die das Lager kurz hinter der serbischen Grenze bewacht, sei machtlos gewesen, berichten ungarische Medien. Die Zahl der Flüchtlinge auf der so genannten Balkan-Route nimmt offenbar weiter zu. Mazedonien meldet den Grenzübertritt von 5.600 Männern, Frauen und Kindern aus Griechenland allein gestern. Serbien hat vergangene Nacht den Grenzübertritt von 4.000 Flüchtlinge aus Mazedonien registriert, doppelt so viele wie in den Nächten zuvor.

Kommentare (1)

Iréne S. am

Es hat lange gedauert… 20.11.2015 Wien – Der Österreichische Presserat mahnt, Fotos im Zuge der Flüchtlingsberichterstattung immer im richtigen Kontext zu veröffentlichen. Konkreter Anlassfall sind von mehreren Medien Anfang September publizierte Bilder einer Flüchtlingsfamilie im ungarischen Bicske, die unter anderem zeigen, wie drei Personen umgeben von Polizisten auf Bahngleisen liegen. In den zugehörigen Texten wurde darüber berichtet, dass die ungarische Polizei Flüchtlinge gegen ihren Willen in ein Flüchtlingslager bringen soll. Ein Video zeige jedoch, dass die Polizei nicht an dem Sturz beteiligt gewesen sei, sondern ein Mann eine Frau mit ihrem Baby absichtlich zu Boden gerissen habe. – Presserat-mahnt Fotos-im-richtigen-Kontext-zu-veröffentlichen.
Der Senat habe entschieden, „dass den Lesern durch die Bilder ein falsches Bild der Situation vermittelt wurde und zu Unrecht der Eindruck entstand, dass es sich hier um einen Fall von Polizeigewalt handelt.“ Es bestehe die Gefahr, dass Leser eine „fundamental falsche“ Vorstellung von der Sachlage bekämen. Stelle sich daher im Nachhinein heraus, dass Bilder in einem falschen Kontext veröffentlicht wurden oder das Geschehen anders als berichtet verlaufen sei, sei das in einem Folgeartikel klarzustellen, forderte der Presserat. (APA, 20.11.2015)

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