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29. August 2015

Tödliche Ratlosigkeit. Kommentar nach dem Flüchtlingsdrama in Österreich

Mehr als 2300 Menschen sind bisher im Mittelmeer ertrunken, 71 Männer, Frauen und Kinder in einem LKW in Österreich erstickt, das sind keine Flüchtlingstragödien, denn klingt wie schicksalhaft. Es ist aber kein Schicksal, es fehlt an sicheren Fluchtwegen. Der Schleppermarkt ist riesig geworden, die Gründe für Fluchthilfe reichen von Nächstenliebe bis Geldgier. Nun zu einer internationalen Jagd auf Schlepper aufzurufen, klingt nach Tatkraft und Happy- End. Eine Lösung für das Flüchtlingsproblem ist es nicht. Dabei scheint es so einfach zu sein, den Schleppersumpf trockenzulegen:  EU-Grenzen sichern und Anlaufstellen für die Flüchtlinge schaffen, das fordert Amnesty International schon seit längerem und das fordert die österreichische Innenministerin nun auch laut. Menschen auf der Flucht hätten eine Ziel und müssten nicht windigen Schleppern Geld zahlen, für eine Reise mit unbestimmtem Ausgang. Das funktioniert aber nur wenn, es den 28 EU-Mitgliedern endlich gelingt, sich auf eine faire Verteilung der Flüchtlinge zu einigen. Zumal die Flüchtlingstrecks nicht über uns kamen, wie eine Naturkatastrophe. Diese Entwicklung war absehbar. Und Menschen aus Kriegsgebieten haben ein Recht auf Asyl und wir die Pflicht es ihnen zu gewähren.  Eine EU- weiter Verteilungsquote für Flüchtlinge aus Krisengebieten ist dafür dringend notwendig. Warum wird um Menschenleben in Brüssel nicht ansatzweise so hart und zäh verhandelt, wie um die Bankenrettung oder um Hilfspakete für Griechenland? In   der Zwischenzeit zieht der rechtkonservative Populist  Orban an der EU-Außengrenze einen Zaun zu Serbien hoch und will Jagd auf Flüchtlinge machen, die ihn durchbrechen wollen. Zäune haben noch nie verzweifelte und entschlossene Menschen daran gehindert zu fliehen.  1989 strömten Menschen aus der DDR in die Botschaften der Bundesrepublik Deutschland, sie wurden aufgenommen und schließlich in Sicherheit gebracht. 1990 stürmten tausende Albaner die deutsche Botschaft in Tirana und wieder ließ der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher, diese verzweifelten Männer, Frauen und Kinder nach Deutschland holen. Ein Botschaftsasyl ist sicher keine Lösung für die Flüchtlingstrecks, die derzeit in Richtung Europäische Union ziehen. Aber es zeigt,  dass unbürokratisch und rasch geholfen werden kann, wenn Menschen in Not und auf der Flucht sind – mit politischem Willen und mit Mut zu Entscheidungen.

Kommentare (2)

Birgit Fischer am

Frau Merkel hat anfangs noch menschlich gedacht, aber nicht richtig gehandelt. Hätte sie nicht, ohne es mit den anderen Ländern irgendwie abzusprechen, eine generelle Einladung an alle ausgesprochen, wäre das meiste besser gelaufen. So aber fühlten sich fast alle überfahren und sehr schnell überfordert. Es ist klar, dass sie Kriegsflüchtlinge und wirklich Asylberechtigte ansprechen wollte, und das ist auch richtig und gut. Aber so kamen alle auf einmal, nicht nur Kriegsflüchtlinge, sondern auch andere, die „nur““besser“ leben wollen als in ihrem Heimatland möglich ist. Und das zusammen sind einfach zu viele auf einmal. Und die deutsche Bevölkerung wurde so gut wie nicht auf die erforderlichen Gegebenheiten vorbereitet, meistens ganz einfach im Stich gelassen. Deutsche Bürger, die für einen oder mehrere Flüchtlinge bürgten, damit diese hier bleiben konnten, stehen jetzt teilweise vor hohen Schuldenbergen , weil ihnen niemand erklärt hatte, wie weit dieses Bürgen gehen kann. Dass damit viele Menschen Probleme haben, ist verständlich. Aber es entwickelt sich eine neue hohe Tendenz nach Rechts, und das ist momentan sehr schlecht , weil diese Menschen eine Form von Rassismus verbreiten, dass mir einfach nur schlecht wird. Hätten wir noch eine gute Regierung, wäre es nicht soweit gekommen.

Birgit Fischer am

Früher hatten wir in Deutschland noch Politiker, die menschlich dachten und handelten. Die Regierung unter Frau Merkel „beobachtet, überlegt, wägt ab „-und macht zuwenig bis nichts. Ich bin auf unsere Regierung und viele Mitbürger nicht mehr stolz, ich bin nicht mal mehr stolz darauf, Deutsche zu sein! Sorry!

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