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26. Juli 2015

Chaos im serbischen Fußball

Als am Sonntag der Schlusspfiff im Stadion des OFK Belgrad ertönt, können die meisten Zuschauer nur mit dem Kopf schütteln. Soeben hat Roter Stern Belgrad in der ersten Runde der neuen Saison auswärts gegen OFK gewonnen.  An sich keine ungewöhnliche Sache, jedoch wirft das Zustandekommen des Ergebnisses Fragen auf.

Nicht nur über das Spiel im Einzelnen, sondern auch über den Zustand des serbischen Fußballs im Allgemeinen. Der Gastgeber dominiert die erste Halbzeit klar und geht mit einer verdienten 2:0-Führung in die Pause, schafft es jedoch noch in der zweiten Halbzeit sechs Tore zu kassieren, um schließlich doch als Verlierer vom Platz zu gehen. Die serbischen Medien sprechen daraufhin von kuriosen Toren, viel zu passiven Verteidigern und unerklärlichen Fehlern aufseiten von OFK. In der Tat gab die zweite Halbzeit ein gutes Beispiel dafür ab, wie man im Fußball besser nicht verteidigt.
Auch wird davon berichtet, dass Offizielle von Roter Stern in der Halbzeitpause in der OFK-Kabine gewesen sein sollen. Spieler und Offizielle beider Vereine reagieren empört auf die Anschuldigungen unerlaubter Einflussnahme, wie schon so oft in der Vergangenheit. Spielervertreter Mirko Poledica meint hingegen: „Es gibt kein Land im Osten mit so vielen abgesprochenen Spielen“. Alleine acht verdächtige Spiele der vergangen Jahre hat die serbische Zeitung „Blic“ daraufhin aufgelistet, die Dunkelziffer dürfte jedoch noch weitaus höher sein. Dass sich in der Zukunft etwas ändern wird, glauben nur wenige. In der Vergangenheit zeigten weder der serbische Fußballverband, noch die Strafverfolgungsbehörden großes Engagement sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Spielabsprachen, aus Gründen des Wettbetruges oder illegaler Punkte-Beschaffung , sind nur eines der Probleme in der Liga. Eine Umfrage der Spielergewerkschafft FIFPro hat ergeben, dass über 40 Prozent der Spieler ihr Gehalt nicht rechtzeitig bekommen, es gibt Vorwürfe der Veruntreuung bei Spielertransfers und  in den Stadien kommen immer wieder gewalttätige Ausschreitungen vor. Nun wird der Ruf nach einer unabhängigen Untersuchung und sogar nach Interpol laut. „Es beginnt die Rettung des serbischen Fußballs“, titelte die Zeitung „Kurir“. Das war jedoch schon im Jahr 2013, nachdem die Polizei aktiv wurde und etliche Vereine und Funktionäre überprüft hat. Übrigens nach einem verdächtigen Spiel am ersten Spieltag, damals involviert, Partizan Belgrad. Geschehen ist seitdem wenig…

Spielbericht im Belgrader TV B92
Mitarbeit: Jan Heier

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