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13. Juli 2015

Mazedonischer Pseudo-Barock

Barock, eher ein Pseudo-Barock, prägt inzwischen mehr und mehr das Stadtbild von Mazedoniens Hauptstadt Skopje. „Skopje 2014“ heißt das staatliche Großprojekt, dass in den letzten Jahren endlose Pseudo-Barockbauten aus dem Boden der Hauptstadt sprießen ließ – Staatsgebäude, Firmensitze, Hotels, Museen, Wohnhäuser, Theater und sogar Straßenkioske. Bisher ging es nur um Neubauten, aber jetzt scheint der Virus auch beliebte Einkaufszentren – die in der sozialistischen Zeit entstanden – zu infizieren. Sie sollen eine barock anmutende Fassade erhalten. Doch jetzt regt sich Widerstand.

Unter dem Motto „I love my City Mall“ haben sich viele Hauptstädter vereint, die im GTZ, dem Einkaufszentrum sozialistischen Baustils, viel mehr sehen als nur einen großen, grauen Betonklotz. Schon zu sozialistischen Zeiten war das Einkaufszentrum GTZ das Tor zum Westen schlechthin  und war ein Symbol für westlichen Lebensstil mit vielen Boutiquen, Geschäften, Cafés, Diskotheken und dem ersten großen Kino der Stadt sowie der allerersten 24-Stunden Drogerie auf dem Balkan. Für mehrere Generationen war das GTZ ein beliebter Treffpunkt in Skopje – lange Disconächte, die erste Liebe.

„Genauso wie früher ist das GTZ beliebt bei den Leuten und es ist vollkommen unsinnig das GTZ als ein veraltetes, sozialistisches Objekt zu verurteilen“, verteidigt die Architektin und „I love my City Mall“-Aktivistin Danica Pavlova den Widerstand. Ein Referendum, um das ursprüngliche Aussehen des „GTZ“ beizubehalten, ist knapp gescheitert. Aufgeben will Danica Pavlova aber nicht. „Nun versuchen wir, das Gebäude wieder unter Denkmalschutz zu bekommen, denn die Regierung hat es geschafft, dies tatsächlich aufzuheben. Wenn uns das gelingt, dann ist der authentische Look unseres Einkaufszentrums gesichert.“

Skopjes Schicksal sieht momentan aber so aus: Unter Denkmalschutz wird zunehmend der pseudo-barocke Neubau der Stadt gestellt.

 

Mitarbeit: Lyubisha Nikolovski

Kommentare (2)

Zoki am

Skopje ist wundervoll, was hat der Author für ein Problem????

Makedonier am

Hier scheint jemand Neid zu hegen, anders kann ich mir solchen journalistischen Ausguss nicht erklären. Zudem scheint der Author nicht informiert zu sein, „I love GTZ“ hat erst in zusammenarbeit der Gemeinde Zentrum -die von einem post-kommunistischen (Beitrag wurde aufgrund der Kommentarrichtlinien gekürzt) Bürgermeister geführt wird- ein Referendum abgehalten „um den authentischen Stil“ des hässlichen und längst überhol bedürftigen Betonklotz zu schützen, das Resultat war niederschmetternd. Das beste dabei, man konnte auch sehen das das Referendum nur als Vorwand galt, Slogans wie „stoppt den Blödsinn der Regierung“ haben nicht geholfen das Volksbegehren erfolgreich zu gestalten. Ich würde Bitten in Zukunft respektvoller über den „Barock“ aus Skopje der eigentlich ein Neoklassizismus darstellt, zu berichten.

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