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10. Juli 2015

Mentorin Merkel und der verlässliche Balkan

https://soundcloud.com/ard_studio_wien/mentorin-merkel-und-der-verlassliche-balkan-autorin-karla-engelhard

Ein Kommentar von Karla Engelhard

Balkan, statt Brüssel oder Berlin. Statt unzuverlässige Griechen, verlässliche Serben und Albaner. Mentorin Merkel macht‘s möglich. Die Balkantour der deutschen Bundeskanzlerin zeigten den Griechen, dass sie nicht der Nabel der europäischen Welt sind und zum anderen, den EU-Beitrittskandidaten auf dem Balkan, dass sie noch im Spiel sind.

Zumindest für die deutsche Bundesregierung, die einen Strategiewechsel in ihrer Balkan-Politik vor einem Jahr vollzogen hat. Da lud sie alle Regierungschefs der Balkanstaaten nach Berlin ein. Ziel: Mehr Verlässlichkeit, Demokratie und Stabilität auf dem Balkan, durch überschau- wie erfüllbare Bedingungen. Dass die katastrophale Lage in der Region auf Dauer zu Revolten führt wie in Bosnien oder zu Massenfluchten wie aus dem Kosovo, hat wohl den sogenannten den „Berlin-Prozess“  beschleunigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist seitdem wie deutsche Autos, deutscher Fußball und deutscher Fleiß,   Sympathieträgerin auf dem Balkan. Die EU hat zu lange, zu viele Kompromisse mit den herrschenden Eliten des Westbalkans gemacht. Oft kompromittierte sie sich dabei selbst und letztlich auch europäische Werte. Merkel möbelt das angeschlagene Image der EU wieder auf und machte sie verlässlich für den Balkan. Der sozialistische Regierungschef Albaniens, Edi Rama, wie der konservative, serbische Premier, Alexander Vucic, loben deutsche Tugenden und Angela Merkel um die Wette, nicht nur, weil sie sie brauchen. Merkel lobt, wohl dosiert und fast bedingungslos, zurück. Zur recht, denn in nur einem Jahr sind Albanien und Serbien, dank des „Berlin-Prozesses“, überraschend gut vorangekommen. Nach jahrzehntelanger Funkstille reden sie wieder miteinander,  vereinbarten gemeinsame Infrastrukturprojekte, sogar serbisch-albanische Jugendaustausche nach deutsch-französischem Vorbild. Die albanische Justizreform verspricht einen effektiven Kampf gegen Korruption und organisierte Kriminalität. Serbische Wirtschaftsreformen versprechen erstmalig Schuldenabbau und Wachstum. Die einstigen bösen Buben vom Balkan legen eine Verlässlichkeit an den Tag, die ihnen in der EU kaum jemand zugetraut hätte.  Nun ist die Europäische Union im Wort, denn sie hat allen Balkanländern eine EU-Beitrittsperspektive versprochen, schon vor mehr als zehn Jahren. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel hat dieses Versprechen in Albanien und Serbien nun erneuert und will dabei helfen  – sie ist zwar nicht die Chefin der Europäischen Union, aber sie hat dort Gewicht und gab ihr Wort. Daran wird man sie messen, auch auf dem Balkan.

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