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23. Juni 2015

„The Rubber Soul Project“– Die „Beatles“ von heute

Ein vor kurzem in Belgrad erschienenes Musikalbum versetzt die Serben in Verzückung, zumindest die etwas Älteren. Es klingt wie „Beatles“, es sieht aus wie „Beatles“ … manche vermuten verschollene Stücke von Lennon, McCartney und Co, die aus kriminellen Kreisen aufgetaucht seien, andere wittern schlichtweg Betrug. Weder noch – hier wurden die „Liverpooler Pilzköpfe“ nicht kopiert, sondern weitergeführt nach dem Motto: Was wäre, wenn sie sich nicht getrennt hätten …

https://youtu.be/WZhz-ytFbp0

Alles begann 1993 in Jugoslawien, als der Beatles-Fanatiker Rastko Ciric, heute Professor der Abteilung Illustration und Animation an der Belgrader Uni, im Buch eines britischen Autors auf die Liste mit 200 Songtiteln stieß, die das Liverpooler Quartett aufnahm, aber nie veröffentlichte. Darunter auch „Rubber Soul“, das aus unbekannten Gründen nicht in das gleichnamige Album aufgenommen wurde und das Rastko´s Fantasie reizte: Was für eine Melodie hätte es, welchen Rhythmus? Die ursprüngliche Idee, dass sich am Album verschiedene Musiker beteiligen und jeder einen Song nach eigener Phantasie aufnimmt bzw. „kreativ rekonstruiert“, scheiterte: Der Bürgerkrieg tobte, das Land war isoliert, Benzin wurde auf den Straßen verkauft, die Hyperinflation entwertete die Löhne bis auf einige D-Mark, Pyramidal- Banken plünderten die Ersparnisse der Menschen… Im Kulturleben des damaligen Jugoslawiens herrschten, wie Rastko erklärt, nur Leere und Hoffnungslosigkeit. Niemandem war nach Singen zumute.

Dass seine Idee überhaupt irgendwie umgesetzt wurde, verdankt Rastko der zufälligen Begegnung mit einem anderen kreativen Menschen und Beatles-Fanatiker, dem Schriftsteller und Übersetzer Goran Skrobonja, 3 Jahre später, im Jahr 1996. Goran schrieb den Text und Rastko die Musik für den Song „Rubber Soul“, bald folgten die anderen Titel und so entstand der erste Teil des Projektes – das Album mit 15 imaginären Beatles-Songs, an dem sich mehrere bekannte serbische Musiker beteiligt haben. Dieses erste Album wurde so aufgenommen, wie es auch die Beatles aufgenommen hätten, mit den Instrumenten und der technischen Ausstattung aus ihrer Ära.

https://youtu.be/Y3h0CuuPjfs

Es folgten weitere 15 Songs, die nach gleichem Modell aus Beatles Titeln von der famosen „Liste“ entstanden sind. Ihre Aufzeichnung in Form eines 2. Albums erfolgte allerdings viele Jahre später, erst ab 2012, im Rahmen des sogenannten Projektes „Rubber Soul 2“. Die Finanzierung des 2. Teils des Projektes verdanken die Serben einem Kroaten, dem international anerkannten Cartoonisten, Szenaristen und Maler, Igor Kordey, der sich für die Idee begeisterte und nicht nur finanziell half, sondern auch selbst Hand anlegte und das Design des 2. Albums entwarf.

20 Jahre nach der Entstehung des ersten Albums bzw. Projektes und 50 Jahre nach dem Erscheinen des Beatles Albums wurde Anfang Mai das multimediale „The Rubber Soul Projekt“ vorgestellt, eine Kollektion aus 2-CD´s mit imaginären Beatles-Songs, einer DVD mit dem Dokumentarfilm über die Entstehung von „RSP“ und einigen Video-Clips, der preisgekrönten Science Fiction-Novelle „Rubber Soul“ von Goran Skrobonja sowie einem Buch über das Projekt. Das in den 90-er Jahren begonnene Projekt wurde nach 2 Jahrzehnten abgeschlossen. Doch die nächste Phase wurde bereits angekündigt: Die Veröffentlichung einer Doppel-CD, die auch auf Vinyl erscheinen soll – ganz im Geiste ihrer Vorbilder.

Mitarbei: Dejan Stefanovic

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