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18. Mai 2015

Zehntausende fordern den Rücktritt des mazedonischen Premiers

Aus allen Teilen des Landes sind sie gekommen. Zehntausende sind dem Ruf der Opposition nach Skopje gefolgt. Vor dem Regierungssitz versammeln sie sich. Mazedonier aller Ethnien eint ein Ziel: Sie wollen den Rücktritt des konservativen Premiers Nikola Gruevski. Der hatte vor der Demonstration noch einmal klar gemacht, dass er genau das nicht tun werde. „Das wäre feige“, betonte er im regierungsnahen Sender Sitel. Der Regierungschef verwies auf das Mandat, das er in „freien und fairen Wahlen“ im vergangenen Jahr erhalten habe.


Allerdings wächst der Druck auf Gruevski. Seit Februar präsentiert die Opposition Telefonmitschnitte, die seine Regierung in denkbar schlechtem Licht erscheinen lassen. Die Vorwürfe lauten: Wahlbetrug, Korruption, Amtsmissbrauch und illegales Abhören von 20.000 Bürgern. Der Regierungschef wähnt ausländische Geheimdienste hinter den Veröffentlichungen.
Botschafter von USA und EU haben wochenlang vergeblich versucht zu vermitteln. Jetzt warnte der österreichische Botschafter in Skopje, Baier, davor: Ein stures Festhalten am Amt könnte sich negativ auf den geplanten EU-Beitritt Mazedoniens auswirken. Seit 10 Jahren ist das Balkanland in der Warteschleife. Griechenland blockiert einen EU-Beitritt.

Vor einer Woche wurden Erinnerungen an den Albaneraufstand von 2001 wach. In Kumanovo lieferten sich Albaner Gefechte mit der Polizei. Die Opposition wirft der Regierung vor, die ethnischen Spannungen geschürt zu haben. Im Nachgang demonstrierten Albaner und slawische Mazedonier Einigkeit. „Gruevski und Albanerführer Ahmeti haben uns verraten“, sagte ein Mann aus Gostivar auf der Demonstration.

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