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9. Mai 2015

Schießerei in Budapest – die erste Polizei-Weltmeisterschaft

Ohrenbetäubender Lärm,  Schüsse von allen Seiten, durchdringende Stimmen im Befehlston – wie in einem Hollywood-Actionfilm. Überall laufen Polizisten aus den verschiedensten Ländern herum: Mit Kopftuch aus arabischen Ländern, österreichische Polizisten in schwarzen T-Shirts und ungarische Uniformierte in blauen Polos. So bunt ihre Uniformen sind, so babylonisch ist auch das Sprachgewirr.

Aus 17 Ländern sind Polizisten und Polizistinnen nach Ungarn gekommen, um an diesem Wettbewerb teilzunehmen. „Sowas hat es noch nie gegeben“, sagt der Direktor des Ausbildungszentrums der ungarischen Polizei. „Wir veranstalten  kein ordinäres Tontaubenschießen, sondern  stellen die Polizisten vor Situationen,  in denen sie sich auch in ihrem Arbeitsalltag wiederfinden könnten“.

„Man muss präzise und schnell schießen“, sagt der österreichische Teilnehmer Manfred Winkler. Foto: BR | Attila Poth

 

Vor den Teilnehmern der Weltmeisterschaft liegen zwei Tage Schießen in zwölf Parcours. Manfred Winkler, ein Polizist aus Österreich, ist beeindruckt mit welchen Überraschungen sie konfrontiert werden: „Es ist schwierig aus relativ großer Distanz auf kleine Ziele zu schießen.“

 

 

In Gesprächen mit seinen kolumbianischen Kollegen wird Winkler bewusst, wie ruhig sein Leben in Europa im Vergleich zu dem in Südamerika ist. „Aber wir müssen auch hier zu allem bereit sein“, betont der Polizist. „Lebensbedrohliche Situationen kann es überall geben und wir müssen immer darauf reagieren können. Präzise, schnell überlegen und im Notfall auch schießen. Aber es ist wirklich das letzte Mittel, schließlich wollen auch wir heil und gesund nach Hause kommen“.

Auf dem Schießplatz gelten strenge Sicherheitsvorschriften, denn die Teilnehmer schießen mit scharfer  Munition. Dabei gibt es einfachere Parcours, in denen nur geschossen wird und komplexere, in denen die Polizisten zuerst mit einem Gummiknüppel die Angreifer besiegen und dann auftauchende Ziele treffen müssen.

„Es ist ein toller Wettbewerb“, schwärmt Amar, der Team-Leader aus Kuwait. In seiner Mannschaft tragen – zur Verwunderung der westlichen Kollegen – die Polizistinnen Kopftuch oder Mütze zur Uniform, frei nach ihrer Entscheidung. So unterschiedlich ihre Kulturen und Arbeitsbedingungen auch sind – alle Polizisten hier betonen, dass sie selbst in einer echten Schießerei  immer den Schutz des Lebens vor Augen haben. Schließlich gäbe es in jedem Land Gesetze, die das festschrieben.

Von allen Mannschaften aus Österreich, Bulgarien, Rumänien, Spanien, Slowakei, China, Kuwait, Bahrain, Kolumbien und Saudi Arabien zeigten sich am Ende der Meisterschaft die gastgebenden Ungarn als beste Schützen. Sie gewannen die Einzelwertungen und stellten das beste Frauen-Team. Bei den Männern lagen die Tschechen vorn.

ARD-Producer Attila Poth im „Einsatz“. Dass man die Finger beim Schießen nicht kreuzen darf, wurde ihm erst nach der Übung erklärt. Foto: BR

Auch die anwesenden Journalisten durften zur Waffe greifen – zur Sicherheit allerdings nur mit Platzpatronen und Übungswaffen. Nach drei Schüssen war unser Reporter sehr froh darum, denn er hat alles getroffen – nur nicht die Zielscheibe.

Mitarbeit: Attila Poth

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