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27. April 2015

Zwiespältiger Gründungsmythos – 70 Jahre Zweite Republik

In vielen Teilen Europas, auch in Österreich, wurde vor 70 Jahren noch gekämpft, als der Sozialdemokrat Karl Renner mit Stalin die Eigenständigkeit des Landes aushandelte – in den Grenzen von 1938, vor dem „Anschluss“ an Nazi-Deutschland. Die Geburtsstunde der Zweiten Republik war allerdings begleitet von einem zwiespältigen Gründungsmythos, so Österreichs Präsident Heinz Fischer beim Festakt in der Wiener Hofburg – die Mär von „Österreich als erstem Opfer Hitlers“. Die Wahrheit sei wohl, dass „viele Österreicher Gegner und Opfer des NS-Systems “ gewesen seien, aber „ein deprimierend großer Teil waren Sympathisanten, Unterstützer und auch rücksichtslose Täter“.

Mit Blick auf die vielen Flüchtlinge damals schlug Österreichs Staatsoberhaupt den Bogen in den Gegenwart, zu kenternden Flüchtlingsbooten. Der Umgang mit den Flüchtlingen – daran werde die moralische Messlatte werde auch in Jahrzehnten noch angelegt.

Ehrengast  beim Festakt in der Wiener Hofburg war Bundespräsident Joachim Gauck. Foto: picture-alliance/dpa

Ehrengast in der Hofburg war der deutsche Bundespräsident, Joachim Gauck. In seiner Rede erinnerte Gauck an die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Österreich. Er lobte die Bereitschaft Österreichs, immer wieder Flüchtlinge aus Mittel- und Osteuropa aufzunehmen. Und Gauck erinnerte mit Blick auf die Kämpfe in der Ukraine daran, dass „Europa auf dem Respekt, der Souveränität und der territorialen Integrität jeden Landes“ bestehe. Jedes Land habe das Recht, seine Partner frei zu wählen.

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