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5. April 2015

„Mädchenwässern“ – Ostern in Ungarn

Ostern ist ein christliches Fest, aber es ist auch Fest der Fruchtbarkeit und noch voller heidnischer Bräuche mit Eierdötschen, Osterhasen, Feuerritualen und roter Fruchtbarkeitssymbolik.

In Ungarn kümmern sich die Männer noch bis heute besonders intensiv und drastisch darum, die Schönheit, Gesundheit und somit die Fruchtbarkeit der jungen Frauen im Land zu erhalten – mit Wasser und zwar kübelweise.

Nach altem Brauch werden in Ungarn am Ostermontag junge Frauen mit Wasser begossen, um ihre Schönheit und Gesundheit zu erhalten. Foto: picture alliance | dpa
Nach altem Brauch werden in Ungarn am Ostermontag junge Frauen mit Wasser begossen, um ihre Schönheit und Gesundheit zu erhalten. Foto: picture alliance | dpa

Der Ostermontag steht im Zeichen des „husvetilocsolkodas“ – „österliches Mädchenwässern“.

Die Mädchen bleiben an diesem Tag zu Hause und warten gespannt auf die männlichen Gäste. Die jungen Männer ziehen in Gruppen durch die Gemeinde und suchen die Häuser heim, in denen Mädchen leben und sich – mehr oder weniger – versteckt halten. Sie werden aufgespürt, versuchen zu fliehen und lassen sich dann schlussendlich doch, gespielt widerwillig, fangen. Formell bitten die Männer mit einem Gieß-Vers (auf Ungarisch: locsolovers) um Erlaubnis:

„Ich streifte durch den grünen Wald,

sah sterbend welke Blüten

und eilte mit dem Wasser bald

dein Welken zu verhüten.“

(traditionell)

Dann werden die Mädchen mit einem Kübel voller Wasser begossen. Zum Dank werden die „Übeltäter“ dann von den jungen Damen traditionell mit Schinken, Milchbrot, gekochten Eiern und einem Gläschen Palinka bewirtet und erhalten zum Geschenk ein rotes Ei –  als Symbol des Lebens, des Blutes und der Liebe. Ziel dieses Rituals ist die Bewahrung der Schönheit und Gesundheit der Mädchen, damit sie nicht „verwelken“.

Traditionell trugen die Frauen früher schöne, elegante Volkstrachten und warteten brav auf die Männer. Heute kann man das noch im nordungarischen Dorf Hollokö (UNESCO Weltkulturerbe) bei der touristischen Oster-Veranstaltung erleben.

Das „Mädchenwässern“ ist beim Osterfest im UNESCO-Dorf Hollokö zur touristischen Attraktion geworden. Quelle: Youtube | Szilard Drexler

https://youtu.be/ZrlOeNPxCGY

Heutzutage bespritzen die Männer „ihre“ Frauen nur noch symbolisch zum Liebesbeweis mit Kölnischwasser oder Sodawasser und die Frauen schenken ihnen Schokoeier oder -hasen.

Aber in manchen ungarischen Dörfern geht es unter den Jugendlichen am Ostermontag immer noch wild her – ohne Trachten, Gedichte und Volksmusik, aber mit viel Spaß und wilden Verfolgungsjagden. Denn damals wie heute will am Ostermontag eigentlich kein Mädchen im Dorf trocken bleiben.

In vielen ungarischen Dörfern liefern sich Jugendliche am Ostermontag wilde Verfolgungsjagden – der nasse Videobeweis auf Youtube ist für die Mädchen Ehrensache. Quelle: Youtube | Mark Szabados

Mitarbeit: Laszlo Perczel

Kommentare (1)

Waldemar Wolkenbruch am

Über diesen europäischen Brauch berichteten auch schon Jakob Grimm (Germanische Mythologie) und William Frazer (The golden Bow). Auch in anderem Kontext, zB als Regenzauber gegen Dürre.

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