Archiv
11. März 2015

Doppelfehltritt: Rumänien-Besuch mit Hindernissen

Für  eineinhalb Tage ab in die Walachei: Frank-Walter Steinmeiers Reise nach Bukarest und Sofia sollte eigentlich nur ein kurzes ermutigendes Schulterklopfen im Doppelpack für die immer ungeduldiger auf den Schengen-Beitritt bestehenden Rumänen und Bulgaren bringen. Eigentlich kein Stoff für die Weltpresse. Doch mittlerweile liefert die Stippvisite den Medien von Frankreich über Großbritannien bis hin in die USA Anlass zum Schmunzeln. Den Humoristen der besuchten Länder gilt sie als Lachnummer.

Und das alles nur, weil der rumänische Außenminister Bogdan Aurescu seinem deutschen Kollegen mit einer Broschüre über die wechselvolle 135-jährige Geschichte der deutsch-rumänischen Beziehungen eine Freude machen wollte. Mit großer Geste überreicht und strahlend entgegengenommen, sollte die Dokumentation einer soliden Partnerschaft gleich zum Anlass für lästerliche Analysen eines als freudscher Fehlleistung interpretierten Illustration auf dem Titelblatt werden. Dort prangte nämlich neben der rumänischen, in den entsprechenden Nationalfarben gekennzeichneten Landkarte ein Umriss der Landkarte Frankreichs, anstatt jener Deutschlands, dessen Außenminister man ja mit dieser Publikation beglücken wollte. Und zu allem Überfluss war die französische Karte dann auch noch schwarz-rot-gold eingefärbt! Steinmeier hob das Buch stolz hoch und den Kameras entgegen. Keiner der beiden Außenminister hatte den Fehler bemerkt, die anwesenden Journalistinnen und Journalisten schwiegen. Doch nur kurze Zeit später überboten sich schon, zuerst hinter vorgehaltener Hand, dann immer lauter hörbar die lokalen Ad-hoc-Psychoanalytiker  in vermeintlich unwiderlegbaren Deutungen des politisch befrachteten lapsus memoriae bei der geographischen Darstellung der deutschen Grenzen. Im Handumdrehen waren zwei hermeneutische Schulen entstanden –  eine deutschfreundliche und eine frankophile. Man habe im Unterbewusstsein den bewunderten Deutschen doch lediglich schmeicheln wollen, indem man das Hexagon deutsch kolorierte, argumentiert die deutschenfreundliche Gruppe. Dem widersprach die Gegenpartei: Nein, eigentlich sei es die Liebe zu den französischen Cousins und Cousinen aus der romanischen Sprachfamilie, welche unbewusst die Überlagerung des deutschen Schwarz-Rot-Gold mit der bewunderten Kontur Frankreichs bewirkt habe.

Auf der offiziellen Facebookseite von Frank-Walter Steinmeier kann man sich im Bearbeitungsverlauf den Fauxpas noch immer anschauen.
Auf der offiziellen Facebookseite von Frank-Walter Steinmeier kann man sich im Bearbeitungsverlauf den Fauxpas noch immer anschauen.

Der immer emotionalere Disput wurde dann aber abrupt unterbrochen als der deutsche Außenminister auf seiner Facebook-Pinnwand notierte, „zum Abschluss“ seines Besuchs, habe ihn der „rumänische Präsident Rossen Plevneliev“ empfangen. Ein hörbares Aufatmen ging wie aus einer Lunge durch Rumänien und Bulgarien: „Noch einmal Glück gehabt,“ rief man sich plötzlich entspannt  und fröhlich über die Donau hinweg zu, „Herr Steinmeier hätte ja auch schreiben können: ‚Zum Abschluss meinen Besuchs in Bulgarien empfing mich der rumänische Präsident Rossen Plevneliev in der Hauptstadt Budapest!“. Der diplomatische Doppelausrutscher wurde in den Geheimdokumenten der Außenministerien der beiden Balkanländer als positiv für deren Image verzeichnet, denn nun sei ja bewiesen, dass es in diesen Breiten nicht nur holprige Straßen sondern auch ein so glattes Parkett gibt, dass nicht nur lokale Tollpatsche darauf richtig hinplumpsen können.

Mitarbeit: Herbert Gruenwald

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.