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4. März 2015

Zagrebdox – „politische Morde“ und „Kriegsverbrechen“ auf dem kroatischen Dokumentarfilm-Festival

Das internationale Festival des Dokumentarfilms „Zagrebdox“ findet in der kroatischen Hauptstadt seit 2005 statt. Neben den Filmen im internationalen Wettbewerb gehören auch Begleitprogramme wie „Kontroverzni dox“ (der kontroverse Dokumentarfilm) seit Jahren zu den Publikumsrennern des einwöchigen Festivals. Die hier gezeigten Filme lösen danach immer wieder Diskussionen und heftige Auseinandersetzungen, nicht nur in der kroatischen Kulturöffentlichkeit aus. In diesem Programm werden kritische Filme aus Kroatien, der Region und der Welt gezeigt, die oft heikle politische Themen aufgreifen und offizielle oder weitverbreitete „Wahrheiten“ kritisch hinterfragen. Dieses Jahr haben ein deutscher und ein britischer Film für großes Aufsehen gesorgt.

Im deutschen Film „Mord in Titos Namen – geheime Killerkommandos in Deutschland“ der Autoren Philipp Grüll und Frank Hofmann ist die Rede von einer ungeklärten Mordserie an Titos Regimegegnern, Emigranten aus Jugoslawien, meistens Kroaten, die in der BRD in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts von jugoslawischen Agenten verübt worden sind. Der Film erzählt diese Geschichte aus der Sicht der Opfer und stellt die pragmatische, oft schmutzige Politik bloß, welche wegen „höherer Ziele“ die Gerechtigkeit auf dem Nebengleis stehen ließ.

http://youtu.be/uF9Ak1uleyw

Im britischen Film „Der serbische Anwalt“ (The Serbian Lawyer) des serbischen Autors Aleksandar Nikolic, der in London lebt, dreht sich alles um den Belgrader Anwalt Marko Sladojevic, der in den neunziger Jahren aktiv gegen das Regime von Slobodan Milosevic gekämpft hatte. 1999 ist er in die Niederlande emigriert und hat seine Karriere in Den Haag vor dem internationalen Gericht für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien gemacht. Zuerst als juristischer Berater im Team des für Kriegsverbrechen angeklagten langjährigen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic und später war er im Anwaltsteam der angeklagten bosnisch-serbischen politischen Führer Momcilo Krajisnik und des bosnisch-serbischen Chefs Radovan Karadzic. Der Film begleitet den Anwalt Marko Sladojevic fünf Jahre lang und thematisiert sein moralisches, menschliches und professionelles Dilemma.  Heute will Marko Sladojevic eine regionale Gruppe von Juristen und Fachleute aus Serbien, Kroatien, Bosnien zusammenstellen, die sich mit dem Krieg und Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien objektiv beschäftigen soll. Dazu soll auch ein Buch dienen, das er zusammen mit zwei Kollegen aus Zagreb (Kroatien) und Sarajevo (Bosnien-Herzegowina) vorbereitet, basierend auf Prozessen und Dokumenten des Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien.

Nach beiden Filmen gab es eine rege Diskussion mit dem Publikum, den anwesenden Autoren der Filme und dem Anwalt Marko Sladojevic. Die Resonanz war weitestgehend positiv, und es haben sich viele bei den Autoren und dem serbischen Anwalt für den „gezeigten Mut zur Wahrheit“ bedankt. Mehrfach wurde in Publikumsgesprächen betont, dass die Menschen viel schneller zur Versöhnung und Wahrheit gelangen würden, wenn es mehr solche mutigen und wahrheitsliebenden Menschen geben würde.

Mitarbeit: Stjepan Milcic

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