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8. Februar 2015

„Nakurnjak“ – wärmt des Balkan-Mannes „bestes Stück“

In Zeiten von Thermo-Unterwäsche, Fleece und Gore-Tex feiert ein männliches Bekleidungs-Relikt aus alten Zeiten auf dem Balkan sein Comeback: der „Nakurnjak“ – wörtlich übersetzt „Schwanzwärmer“. Gehäkelt oder gestrickt sollte er im Winter des Mannes „bestes Stück“ in den eisigen Bergregionen des Balkans warm halten und somit seine Zeugungsfähigkeit garantieren. Im Gebirgszug der Dinaren, die sich von Kroatien über Bosnien bis nach Serbien und Montenegro erstrecken, gehörte er damals zu den ganz üblichen Kleidungsstücken und war wichtiger Bestandteil der Mitgift, die die Braut mit in die Ehe brachte.

Jelena Pavlovic aus Belgrad hat den „Nakurnjak“ im Ethnographischen Museum in einer Ausstellung über Volkstrachten auf dem Balkan endeckt . Gesehen – gehäkelt! Am nächsten Tag in der Pause einer Chorprobe (Jelena ist Chorsängerin) arbeitete sie bereits an ihrem zweiten „Nakurnjak“. Erste Kunden waren Jelenas begeisterte Kollegen. Seitdem läuft das Geschäft. Die Nachfrage lässt nicht nach, so dass man sie mittlerweile auch online bestellen kann: umgerechnet 5 Euro kostet das gefragte Produkt!

Die für ihre Strickkunst bekannten Frauen des Gorski Kotar in Kroatien vertreiben den „Penis-Wärmer“ schon seit einige Jahren. Bei einer Ausstellung in Washington soll sogar US-Präsident Barak Obama mit diesem Geschenk vom Balkan beglückt worden sein.

Die Zeiten der praktischen Anwendung sind sicherlich vorbei, aber das archaische Bekleidungsstück erfreut sich als Gag-Geschenk und Mitbringsel größter Beliebtheit. Aus den Tiefen der kroatischen Bergwelt hat es der „Nakurnjak“ sogar in die Hafenstadt Rijeka geschafft. Im Designerladen „Sta da“ gehört er zu den Verkaufsrennern. Allerdings stehen die Frauen von heute vor dem gleichen Problem wie die Bräute von damals: die Größe! Vorsichtshalber – der Vorstellungswelt der Männer entsprechend – wird der „Nakurnjak“ meistens in XXL hergestellt. Die kleineren Modelle bleiben Ladenhüter. Manches ändert sich halt nie!

Mitarbeit: Zoran Ikonic, Gordan Godec

 

 

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