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6. Februar 2015

Islam in Bosnien und Herzegowina – ein Vorbild für Europa?

Das geistige Oberhaupt der Muslime in Bosnien und Herzegowina, Obermufti Husein Effendi Kavazovic. Fotoquelle: oslobodjenje.ba
Das geistige Oberhaupt der Muslime in Bosnien und Herzegowina, Obermufti Husein Effendi Kavazovic. Fotoquelle: oslobodjenje.ba

Das geistige Oberhaupt der Muslime in Bosnien und Herzegowina, Obermufti Husein Effendi Kavazovic, will ein deutliches Zeichen gegen islamistischen Terrorismus und den Islamischen Staat (IS) setzen. Er fordert, dass allen Bosniern, die an Konflikten im Ausland teilnehmen, die bosnische Staatsbürgerschaft aberkannt wird.
Der bosnische Geheimdienst schätzt, dass bisher etwa 150 Bosnier nach Syrien gegangen sind, um dort an der Seite der Terroristen zu kämpfen. 26 sollen dabei bisher ums Leben gekommen sein.

Die klare und unmissverständliche Haltung der islamischen Gemeinschaft in Bosnien gegen den Islamismus, beruht auch auf historischen Grundlagen. Schon mit ihrer Entstehung im 15. Jahrhundert, zur Zeiten der osmanischen Herrschaft auf dem Balkan galt sie als außergewöhnlich offen und tolerant. Ihr Verständnis vom Islam und deren Umsetzung im alltäglichen Leben schuf die Grundlage für das oft beschriebene Zusammenleben von Muslimen, Juden, sowie katholischen und orthodoxen Christen in Bosnien. Nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches fiel Bosnien an die Habsburger Monarchie. Um die Unabhängigkeit der Muslime in Bosnien von Istanbul zu sichern, förderten die Wiener die europäische Eigenständigkeit der islamischen Gemeinschaft und gaben ihr die Struktur einer demokratischen Körperschaft, die im Prinzip bis heute erhalten ist. Das ist einzigartig in der gesamten islamischen Welt.

Nur wenige hundert Meter auseinander: Die serbisch orthodoxe Mariä-Geburt-Kathedrale (links) und die islamische Gazi-Husrev-Beg-Moschee (rechts). Foto (22.03.2005): picture alliance | dpa
Nur wenige hundert Meter auseinander: Die serbisch orthodoxe Mariä-Geburt-Kathedrale (links) und die islamische Gazi-Husrev-Beg-Moschee (rechts). Foto (22.03.2005): picture alliance | dpa

In Sarajevo ist dieser moderne europäisch ausgerichtete Islam spürbar und sichtbar: die größten Gebetshäuser der Muslime, Katholiken, Orthodoxen und Juden sind alle nur 80 Meter voneinander entfernt. Die Altstadt von Sajarevo trägt nicht umsonst den Namen kleines Jerusalem. Das in den Altstadtgassen junge Frauen Kopftuch oder Minirock tragen, verwundert nur ausländische Touristen.

Obwohl Bosnien und Herzegowina in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht zu den Sorgenkindern Europas gehört, halten es viele für ein wichtiges Vorbild für die Zukunft eines demokratischen Islam in Europa.

Mitarbeit: Eldina Jasarevic, Gordan Godec

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