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27. Januar 2015

AZIS: Roma, Mann, Frau – Erfolg gegen alle Konventionen – Südost Sound

Sein goldener Eckzahn blitz im Scheinwerferlicht. Mädchen kreischen um die Wette, einem jungen Mann versagen die Beine ihren Dienst. „Ich liebe euch!“, ruft Azis auf Deutsch, Serbisch und Bulgarisch in die Menge. Die Fans strecken ihre Arme in die Höhe und singen gemeinsam mit ihrem Idol: „Ale-le-ley, pak… Ale-le-ley, pak…“. Dann wendet Azis der Menge seine Rückseite zu. Verführerisch pendelt sein Hintern und das Publikum tobt. Ob männlich oder weiblich, der bulgarischer Sänger bedient alle Phantasien. Mit diesem Hüftschwung und seinen Pop-Folk Melodien singt sich Azis bereits seit einigen Jahren in die Herzen vieler Bulgaren, Serben und Mazedonier. Vergangen Freitag endlich das erste – heiß ersehnte – Konzert in Wien.

Eine Selbstverständlichkeit ist die große Popularität des bulgarischen Sängers aber nicht: Azis pflegte lange das Image eines Transsexuellen und heiratete 2006 einen Mann. Eine Heirat, die in Bulgarien rechtlich nicht anerkannt ist. In den Herkunftsländern seiner Fans ist die Diskriminierung Homosexueller Alltag. Das Publikum in Wien sieht das anders: „Er ist ein Künstler, er darf das“, sagt der bulgarisch-stämmige Deni. „Man muss Azis als Gesamtkunstwerk sehen“. „Wir mögen ihn nicht als Mann und auch nicht als Frau, sondern einfach als Person“ sagt Branka aus Serbien.

Von seinem Mann hat sich Azis mittlerweile wieder scheiden lassen und sein Äußeres löst keine Skandale mehr aus. Mit Vollbart und ganz ohne Lidschatten und Lippenstift kann man nur noch manchmal seine Vergangenheit erahnen, wenn Azis sein kariertes Hemd aufknüpft und aufreizend an seiner Brust reibt. In einem aktuellen Video prügelt er sich im Dress eines Footballspielers im Schlamm und macht sexuelle Andeutungen mit seiner Duett-Partnerin.

Seine neue Männlichkeit erfreut viele seiner Fans: „Als Mann gefällt er mir viel besser“, sagt Fadil, der mit seiner Freundin das Konzert besucht. „Ich mag seinen Style, vor allem seinen Bart“. Fadil sieht Azis zum Verwechseln ähnlich und trägt die gleiche Gesichtsbehaarung. Auch sein blaues Hemd mit weißen Stickereien erinnert an den Sänger, der gerade auf der Bühne steht. „Das ist Zufall, wir haben eben den gleichen Geschmack.“ Fadil ist nicht der einzige Azis-Doppelgänger im Publikum. Sašа wird von seiner kleinen Tochter immer mit Azis verglichen: „Ich habe meinen Bart schon seit sechs Jahren. Azis hat mich wahrscheinlich kopiert“, sagt Sašа schmunzelnd, dass er selbst aber eine feminine Seite hat, weist er vehement zurück.

Und seine Fans sind sich einig, dass Azis‘ frühere Auftritte mit weiß gefärbtem Bart, Silikonbrüsten und knappen Frauenkleidern nur Show waren: „Irgendwie muss er ja sein Geld verdienen. Als Rom in Bulgarien muss man es erstmal fertigbringen, so berühmt zu werden“, sagt Dashurija, die selbst eine Romni ist. Vielen hier spricht sie damit aus der Seele, denn Azis Erfolg ist erstaunlich. Er widerspricht extrem dem gesellschaftlichen Idealbild auf dem Balkan: „Keiner mag ihn, aber alle lieben ihn“, sagen Claudia und Alexa, zwei Österreicherinnen. Sie haben Bulgarien als Urlaubsland entdeckt und werden seither von Azis magisch angezogen. Mit der Songcontest-Gewinnerin Conchita Wurst könne man Azis aber nicht vergleichen, meint die Bulgarin Cantu. „Conchita Wurst ist nur ein kurzfristiger Medienhype. Azis gehört schon lange zu uns. Er ist unser King of Pop in Bulgarien“.

Mitarbeit: Isabella Purkart

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