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15. Januar 2015

Serbisches Neujahrsfest in Wien – am 14. Januar beginnt das Jahr 2015 zum zweiten Mal

Gute Neujahrsvorsätze geraten oft schon nach den ersten Tagen im neuen Jahr in Vergessenheit. Eine zweite Chance, ambitionierte Pläne fürs neue Jahr doch noch umzusetzen, gibt es für Serben, Russen, Griechen und alle anderen christlich-orthodoxen Glaubens. Sie feiern ihr Neujahrsfest nach dem julianischen Kalender am 14. Januar. Unsere Redaktionspraktikantin Isabella Purkart hat auf einer serbischen Silvesterparty in Wien ein zweites Mal das neue Jahr begrüßt.
Auf den ersten Blick ist der Eingang des Clubs, der sich direkt am vielbefahrenen Wiener Gürtel befindet, nicht erkennbar. Die Fassade des unscheinbaren Gebäudes ist von einem Baugerüst bedeckt. Der Name des Clubs „Cafex“ ist nirgends zu sehen. Bei genauerem Hinsehen fällt auf einer verspiegelten Eingangstüre das Schild „Geschlossene Gesellschaft“ auf. „Wir feiern hier ganz ruhig. Nicht wie in Serbien, wo heute mehr Krach herrscht als zum normalen Silvester“, begrüßt mich der Lokal-Betreiber Slobodan in bester Feierlaune. Von Stille kann im Club kurz vor Mitternacht jedoch nicht die Rede sein. Satte Synthesizer-Klänge erfüllen den Raum. Die beiden Sänger Ivana und Bane geben inbrünstig jugoslawische Folk- und Rockmusik zum Besten. Der Club ist gefüllt mit makellos gestylte jungen Frauen und spendierfreudigen Männern.

Auch der Club-Betreiber Slobodan singt, umringt von seinen Freunden, mit Ivana und Bane. Er betont, dass hier nicht nur serbische Musik gespielt wird, sondern jugoslawische. Zum Beweis stellt er mir seine kroatischen und mazedonischen Freunde vor. Der Kroate Ivica feiert nicht zum ersten Mal das serbische Neujahrsfest. „Jede Gelegenheit zum Feiern ist willkommen“, sagt er. Diese Ansicht teilen alle Partygäste, auch wenn für die meisten von ihnen die Silvesterfeier am 31. Dezember einen höheren Stellenwert hat. „Morgen müssen viele arbeiten, auch in Serbien“, sagt Milica, die zusammen mit Ivica feiert. Trotzdem wird Silvester in Serbien und dem serbisch dominierten Teil Bosniens an beiden Tagen mit Feuerwerk und ausgelassenem Feiern begangen.

Ein Feuerwerk gibt es in Wien zur serbischen Silvester-Party allerdings nicht. Auch zerschellen die Gläser nicht – wie bei so mancher „ordentlicher“ Feier in Serbien – auf dem Boden und an den Wänden. Aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Die Gläser, mit denen die Gäste anstoßen, klirren nun schon fast im Minutentakt und der erste Tisch dient bereits als Tanzfläche. „Srećna nova godina!“, „Ein gutes Neues Jahr!“ wünschen sich alle und stoßen nicht das letzte Mal in dieser Nacht miteinander an.

Mitarbeit: Isabella Purkart

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