Archiv
27. Dezember 2014

Serbien: Jugendliche besetzen Dorf-Kino

http://youtu.be/AZdHKL1o5wQ

Das 1500-Seelen-Dorf Vladimirci liegt eineinhalb Stunden Autofahrt von der serbischen Metropole Belgrad entfernt. In Vladimirci gibt es nichts,  da sind sich die Jugendlichen des Dorfes einig: keine Disco, keinen Skater-Park, kein Kino – einfach nichts. Das war einigen zu wenig. Sie wollten ihre Freizeit nicht mehr gelangweilt auf den wenigen Parkbänken ihres Dorfes totschlagen. Sie beschlossen, das alte Kino zu besetzen, das seit Jahrzehnten leer stand.
Die Idee war den Jugendlichen von Vladimirci gekommen, weil sie von der „Bewegung zur Besetzung von Kinos“ („Pokret za okupaciju Bioskopa“) in Belgrad gehört hatten. Sie wollten es den Hauptstädtern gleich tun. Belgrader Jugendliche besetzen schon länger alte Kino-Säle, die als ungenutzte Immobilien leer stehen und der puren Spekulation dienen. Die kulturbeflissenen Immobilien-Besetzer wollen nicht weichen, bis die Säle wieder dem eigentlichen Zweck dienen: „Kultur für alle“ anzubieten.

Die Jugendlichen in Vladimirci wollten sich der Protestbewegung kämpferisch anschließen und gleich auch Zeichen setzen. Die Jungs vom Dorf knackten die Schlösser, brachen kurzerhand in das alte Kulturzentrum aus Jugo-Zeiten ein. Video-Beamer und die serbische Filmkomödie „Mali Budo“ waren schnell organisiert  und der Lautsprecher-Wagen verkündete im Dorf die erste Kino-Vorstellung seit Jahrzehnten.
Genau genommen eine Straftat. Doch anstelle von Polizei und Räumkommando erschien zur Premiere das halbe Dorf – angeführt vom Dorfvorsteher – der voller Verständnis die Aktion der Jugendlichen lobte.
„Damit haben sie uns die ganze Show gestohlen, wir hatten uns eigentlich auf Ärger eingestellt“, spöttelt Marko Aksentijevic, einer der Belgrader Kino-Besetzer, der zur Unterstützung nach Vladimirci gekommen ist. Und nicht nur das: Mit ihm reisten auch Schauspieler und Teile der Filmcrew der Erfolgskomödie „Mali Budo“ an – um ihre Solidarität mit den Kino-Besetzern zu demonstrieren. Die Besetzer hoffen nun, dass ihre Aktionen in ganz Serbien eine „Kino-Revolution“ auslösen.

Mitarbeit: Zoran Ikonić

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.