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11. Dezember 2014

Rumänien: Ein Volk zwischen den Stühlen – zu Besuch bei den Szeklern

Ein Feature von Stephan Ozsváth

Etwa 1,4 Millionen Ungarn leben in Rumänien, die Hälfte von ihnen kompakt in drei zentralrumänischen Bezirken, wo die Szekler die Bevölkerungsmehrheit stellen. Durch den Friedensvertrag von Trianon (1920) hatte Ungarn zwei Drittel seines Territoriums an die Anrainerstaaten verloren. Millionen Ungarn kamen unter fremde Herrschaft. Weil sich der ungarische Reichsverweser Horthy mit Hitler einließ, kamen die Siebenbürger Ungarn zwischenzeitlich wieder zum alten Heimatland zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Spaltung endgültig besiegelt.

Schnitzer Andras Lajos - Foto: BR | Stephan Ozsváth
Schnitzer Andras Lajos – Foto: BR | Stephan Ozsváth

Heute leben die Szekler, die von den ungarischen Königen im 12. Jahrhundert in Siebenbürgen angesiedelt worden waren, zwischen den Stühlen. Sie fühlen sich nicht richtig als Rumänen, aber auch nicht richtig Ungarn zugehörig, obwohl viele die doppelte Staatsbürgerschaft haben, die ihnen die Regierung in Budapest gab. Aus Dankbarkeit wählten viele die ungarische Regierungspartei Fidesz. Doch: In Rumänien stehen die Szekler unter dem Generalverdacht, die Grenzen wieder rückgängig machen zu wollen. In Ungarn werden sie als „Rumänen“ beschimpft. „Wir wissen nicht, wo wir hingehören“, sagt der Siebenbürger Journalist Istvan Sarany.

Für Zündstoff sorgt die Forderung nach Autonomie für die Szekler. Die Regierung in Budapest unterstützt dieses Ansinnen. Die rumänische Regierung dagegen plant anders: Sie will die historischen Szekler-Bezirke neu zuschneiden – das wäre der Todesstoß für eine Szekler-Autonomie.

Der Eishockey-Club von Miercurea Ciuc (Csikszereda) macht das Beste aus dem Schwebezustand: Beide Staaten finanzieren den erfolgreichen Siebenbürger Club, die Spieler sind in zwei Ligen aktiv, der rumänischen und der ungarischen.

Kommentare (1)

IUGA TEODORA am

Die Ungarn bleiben eine Minderheit wie sie schon immer wahren seit dem sie aus Asien kamen in einem Land wo die Rumänen schon längst da wahren. Aber träumen dürfen sie….
Gruß

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