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8. Dezember 2014

Serbien: Abiturient erfindet Pfropfen-Polizei

Stefan Velja mit dem EUREKA-Orden. Foto - Stefan Velja
Stefan Velja mit dem EUREKA-Orden. Foto – Stefan Velja

Stolz zeigt Stefan Velja seine Goldmedaille aus Brüssel. Der 18-jährige Gymnasiast hat sie bei der diesjährigen Welt-Erfinderausstellung „Eureka 2014“ in Brüssel gewonnen – für ein Patent, das vielen Menschen das Leben retten könnte: „Thromb Guard“.

Seine Idee besteht darin, dass ein Thrombus, also ein Blutpfropf aufgespürt und beseitigt wird, bevor er die vitalen Organe wie Herz, Lunge oder Gehirn erreicht. Das Gerät von der Größe eines Stents wird in das Blutgefäß eingepflanzt und besitzt einen elektrischen Chip. Nachdem der Pfropf, der sich in Bewegung gesetzt hat, vom „Guard“ physisch abgefangen wurde, wird durch einen Impuls ein Medikament aktiviert, das den Klumpen an Ort und Stelle chemisch zersetzt. Das tägliche Leben des Patienten wird dadurch nicht beeinträchtigt, er kann in jedem Augenblick über die Lage informiert werden – ob sich etwas verklemmt hat, ein Arzt aufgesucht oder einfach nur das Reservoir des eingebauten Medikaments aufgefüllt werden sollte. Das Grundmaterial ist Kunststoff, das Netz besteht aus einer Nitinol-Legierung.

Modellzeichnung des Thromb-Guard. Foto - Stefan Velja
Modellzeichnung des Thromb-Guard. Foto – Stefan Velja

Zur Erfindung führte auch Stefans Wunsch, seinem eigenen Vater zu helfen, dem zwei Blutpfropfen im Bein diagnostiziert wurden. Seine „Pfropfen-Polizei“ hat Stefan Velja in Serbien zum Patent angemeldet, Kardiologen haben ihm bei der Entwicklung geholfen. Stefan Velja hofft jetzt, dass die Erfindung von serbischen Experten weiter entwickelt und zur Produktionsreife gebracht werden kann. Von der Idee bis zur Umsetzung seien, wie er sagt, weniger als 6 Monate vergangen. Zeitgleich mit der Goldmedaille aus Brüssel erhielt er auch aus anderen Ländern Ehrungen. Aus Belgien bekam er einen Orden, dort darf sich der serbische Abiturient jetzt „Ritter“ nennen.

Selbst abholen konnte Stefan Velja die Auszeichnungen nicht. Die 7.600 Euro Teilnahmegebühr brachte die Familie mit Mühe zusammen. Für Reise und teure Hotels blieb kein Geld mehr übrig. Statt Stefan kamen seine Arbeit und ein Plakat nach Brüssel. Allzu große Erwartungen habe er nicht gehabt, erzählte er gegenüber serbischen Medien, wohl aber die stille Hoffnung, dass sein Werk Aufmerksamkeit auf sich ziehen werde. Von der Entscheidung aus Brüssel erfuhr er per SMS. Seine Mutter schickte sie ihm, während er in der Schule war.

Von Kindesbeinen auf hatte Stefan Velja großes Interesse an Naturwissenschaften,  seine Liebe gilt der Physik, das Fach will er auch studieren. Und Erfolge sind ihm auch nicht fremd: Bei Schülerwettbewerben gewann sein Team mehrfach. Die Anerkennung aus Brüssel sieht Stefan Velja als Sprungbrett für seine weitere Karriere. Gerade hat er sich in Cambridge beworben. Für Master- und Doktorstudien kommen für ihn auch Deutschland, Österreich oder die Schweiz in Frage. Deshalb lernt Stefan Velja auch Deutsch. Nach dem Studium will er nach Serbien zurück kehren.

Aber bei aller Liebe zur Physik, die für ihn „Entspannung“ bedeutet, wie er sagt, ist der junge Serbe auch ein ganz normaler Jugendlicher. Er singt in einer Rockband, er spielt Klavier und Gitarre, er liebt Bridge und Tennis und er geht mit seiner Freundin und den Kumpels aus – wie andere 18-Jährige auch.

Mitarbeit: Dejan Stefanovic

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