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29. November 2014

Albanien: Wie das Gastrecht Juden schützte

Stephan Ozsváth berichtet

 

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Albanien etwa 200 Juden. Und trotz italienischer und später deutscher Besatzung waren es nach dem Krieg mehr als 2.000. Albaner hatten sie geschützt. Etwa Refik Veseli.  „Er hat im Zweiten Weltkrieg eine jüdische Familie gerettet“, erzählt sein Sohn Fatmir, der heute in Tirana als Fotograf arbeitet.

Die Familien Mandil und Veseli in Kruja - Fotoquelle: yadvashem.org
Die Familien Mandil und Veseli in Kruja – Fotoquelle: yadvashem.org

Die jüdische Familie Mandil überlebte die Nazi-Zeit in Kruja, einem Bergdorf in der Nähe der Hauptstadt Tirana. „In lokaler Tracht und mit Maultieren schickte mein Vater sie nach Kruja“, erzählt Fatmir. Tagsüber versteckten sich die Mandils in einer Höhle, nachts in einem kleinen Zimmer des Hauses von Fatmirs Großeltern. Grundlage war das alte albanische Gastrecht, die „Besa“: Das Haus gehört mir, Gott und dem Gast.

In Kruja befindet sich die Burg des albanischen Nationalhelden Skanderbeg. Schulklassen und Touristen streifen heute durch die Straßen und den alten Basar.

Eine Schule in Berlin-Kreuzberg trägt seit Oktober 2014 den Namen von Refik Veseli, einem bekannten Fotografen Albaniens. Bis heute pflegen die Familien Mandil und Veseli einen regen Kontakt.  Die Söhne von Mosche Mandil und Fatmir Veseli heißen beide Ron.

 

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