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28. November 2014

Bosnien: Hilfe für vergewaltigte Frauen

Der Spielfilm „Grbavica“ (dt. Esmas Geheimnis) der bosnischen Filmemacherin Jasmila Zbanic (2006 auf der Berlinale mit dem „Goldenen Bären“ ausgezeichnet) und „Sturm“ von Hans-Christian Schmid behandeln das gleiche Thema: An Hand von Einzelschicksalen zeigen sie die massenhafte und gezielte Vergewaltigung von Frauen während des bosnischen Bürgerkrieges.

Nach Angaben des Europarates wurden in den Jahren 1992 bis 1995 mindestens 20.000 Frauen Opfer von sexueller Gewalt. Der Internationale Strafgerichtshof stufte diese Praxis als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gezielte Kriegswaffe ein. „Man wusste, was in Bosnien mit Frauen und Mädchen passiert. Die Medien haben darüber berichtet. Aber niemand hat geholfen“, sagt Sabiha Husic.

Sabiha Husic leitet das Hilfszentrum der deutschen Hilfsorganisation „Medica Mondiale“ in der zentralbosnischen Stadt Zenica und wurde jetzt mit dem Titel „Frau des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Fotoquelle: medicamondiale.org | Cornelia Suhan
Sabiha Husic leitet das Hilfszentrum der deutschen Hilfsorganisation „Medica Mondiale“ in der zentralbosnischen Stadt Zenica und wurde jetzt mit dem Titel „Frau des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Fotoquelle: medicamondiale.org | Cornelia Suhan

Seit 20 Jahren hilft die Islampädagogin und Traumatherapeutin den Opfern der Vergewaltigungen. Die 43-Jährige leitet das Hilfszentrum der deutschen Hilfsorganisation „Medica Mondiale“ in der zentralbosnischen Stadt Zenica. Die war schon am Anfang des Krieges von der deutschen Gynäkologin Monika Hauser ins Leben gerufen worden. In einem Flüchtlingslager hatte die Deutsche die Bosnierin kennengelernt, die bald zum Team gehörte. „Das Wichtigste an unserer Arbeit war und ist, an die Frauen heranzukommen, die diese schrecklichen Erfahrungen gemacht haben“, sagt Husic.

Die Therapeutin betreut die betroffenen Frauen nicht nur psychologisch, sie unterstützt sie auch bei Zeugenaussagen vor Gericht. Für ihr Engagement wurde Husic jetzt mit dem Titel „Frau des Jahres 2014“ von der US-amerikanischen Organisation „Women for Women International“ geehrt. Vor ihr waren die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton und die CNN-Reporterin Christiane Amanpour ausgezeichnet worden.

Monika Hauser, die Gründerin der Organisation „Medica Mondiale“, erhielt 2008 den Alternativen Nobelpreis für ihre Arbeit in Bosnien. Ein Erfolg: Seit 2006 haben vergewaltigte Frauen in Bosnien Anspruch auf eine Invalidenrente.

http://www.medicamondiale.org/

http://www.medicazenica.org/

Das ARD Studio Wien hat bereits 2007 über die Arbeit der NGO „Medica Mondiale“ berichtet:

http://youtu.be/JYt1wbuN7K8
Beitrag: Susanne Glass | Kamera: Alex Goldgraber | Schnitt: Ingrid Kollmer, Günter Stöger

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