Archiv
27. November 2014

Wien: Niedriger Ölpreis prägt OPEC-Treffen

Stephan Ozsváth berichtet

Wien: Das OPEC Treffen steht ganz im Zeichen des niedrigen Ölpreises - Foto: picture alliance / dpa
Wien: Das OPEC Treffen steht ganz im Zeichen des niedrigen Ölpreises – Foto: picture alliance / dpa

In Wien ist heute Vormittag das 166. Treffen des OPEC-Kartells eröffnet worden. Und es steht ganz im Zeichen des niedrigen Ölpreises. Seit Sommer ist er um 30 Prozent gefallen – und gab vor dem Treffen weiter nach. Ein Fass der Sorte Light Sweet Crude kostete an der New Yorker Börse gerade mal 59 Euro – das ist ein Vierjahrestief. Auch andere Sorten wurden billiger. An der Moskauer Börse rutschte der Rubel ab, denn Öl ist in Russland wichtiger Devisenbringer. Zusätzlich wird Russland von den Sanktionen im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise belastet.

Weil die USA und Kanada aus Fracking gewonnenes Schiefer-Öl auf den Markt bringen und Libyen wieder als Förderer zurückgekehrt ist, gibt es ein Überangebot auf dem Markt. Das macht das Öl billig. Der niedrige Ölpreis wiederum macht Investitionen in die Ölförderung unrentabel, so Analyst Neil Atkinson von Lloyd´s List Intelligence. „Investitionen sind der Schlüssel, denn wir werden noch Jahrzehnte lang Öl und Gas brauchen“, sagt er.

Im Vorfeld des Treffens hatten vor allem die OPEC-Länder Venezuela und Iran versucht, eine Reduzierung der Fördermengen zu erreichen. Denn ihre Staatshaushalte geraten unter Druck, wenn das Öl zwar sprudelt, aber nicht genug Geld in die Kasse spült. „Der Iran ist in einer besonderen Situation“, so Neil Atkinson, „denn er ist auch mit Sanktionen belegt“. Die sind noch in Kraft wegen des iranischen Atomprogramms. Und sie betreffen auch die Ölförderung.

Bislang lehnen die Golfstaaten, allen voran die Saudis, eine Senkung der Förderquote von derzeit 30 Millionen Fass pro Tag ab. Wollen sie Iraner und Russen politisch schwächen und den Konkurrenten USA, der Öl aus Fracking auf den Markt wirft, wirtschaftlich? Der Wiener Ölexperte Johannes Benigni von JBC Energy hält die Zurückhaltung der Saudis für ein taktisches Manöver: „Sie werden kaum vor dem Treffen ihr Pulver verschießen“, sagt er. Er glaubt, dass am Ende des Treffens eine Reduzierung der Förderung um eine Million Fass pro Tag steht. „Das wäre nötig, um den Markt zu stabilisieren“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.