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20. November 2014

Rumänien: Angriffe von Bären häufen sich

Stephan Ozsváth über die Bärenplage in Rumänien:

Nur mit viel Glück überlebte der rumänische Bauer Lörincz Opra einen Bärenangriff. Seine Frau Emilia bangt seit dem jedes mal um ihn, wenn er aufs Feld geht. Foto: BR | Stephan Ozsváth
Nur mit viel Glück überlebte der rumänische Bauer Lörincz Opra einen Bärenangriff. Seine Frau Emilia bangt seitdem jedes mal um ihn, wenn er aufs Feld geht. Foto: BR | Stephan Ozsváth

Diesen Tag wird Lörincz Oprea nie vergessen, es war der 6. Oktober 2014. Der Bauer aus Petriceni war auf dem Weg zu seinem Maisfeld. Er wollte mit einem Verwandten nach dem Rechten sehen, der Elektrozaun war kaputt. „Ich ließ den Hund von der Kette – und als ich den Kopf hob – hörte ich ein schreckliches Brüllen etwa anderthalb Meter entfernt“, erzählt der ungarisch-stämmige Mann in den Fünfzigern.“ Dann sprang er auch schon auf mich zu, und fing an mich, ins Bein zu beißen.“ Lörincz Oprea zeigt mit der Hand, wie groß der Bär wohl gewesen sein muss. Einen Meter Dreißig hoch sei das Tier gewesen, sagt er, „auf allen Vieren“, und vielleicht 250 Kilo schwer. Dreimal greift ihn der Bär an, beißt ihn in Bein und Seite. „Ich dachte: Hier kann mir keiner helfen, ich muss sterben.“ Aber sein Überlebenswillen lässt ihn den Bär unter den Ohren packen, damit er ihn nicht beißen kann. „So kämpften wir eine Weile“. Sein Hund vertreibt dann schließlich das Raubtier.

Lörincz Oprea zeigt seine Wunden: Seine rechte Körperhälfte ist verletzt, am Bein ist die große Bissverletzung genäht. Opreas Verwandtem hat der Bär mit einem Biss den Arm gebrochen. Kein Einzelfall: Immer wieder kommt es in Rumänien zu Angriffen auf Menschen. Schwere Verletzungen sind die Folge, auch Tote sind zu beklagen. Der Präsident des zentralrumänischen Landkreises Harghita, Csaba Borboly fordert deshalb, „diese Blutbären, die Menschen angreifen, schnell abzuschießen“.


Eigentlich sind die Tiere geschützt. Nur, wenn sie Menschen angreifen, dürfen sie gejagt werden – im Jahr 2015 dürfen 550 Bären vor die Flinte, so hat das Umweltministerium in Bukarest verfügt. Aber mit geschätzten 6000 Braunbären hat Rumänien nach Russland immer noch die zweitgrößte Population in Europa. Und die Tiere kommen den Menschen immer näher, erzählt Jäger Csaba Székely. „Nach 1989 nahm die Abholzung zu, die Leute sammelten die Früchte des Waldes“, sagt der Székler, der eine Bärenbegnung mit der Kamera festgehalten hat, „bauten mitten im Wald Häuser. In diesen 25 Jahren haben sich die Bären an die Menschen gewöhnt. Das heisst: Ihr Habitat ist immer kleiner geworden. „


Auf der Suche nach Futter kommen Bären in die Dörfer und Städte, wühlen in Mülltonnen, verwüsten die Felder, reißen Geflügel und Schafe. Und verletzen oder töten eben auch Menschen. Auch Jäger sind schuld, sagt die Tierärztin Daniela Schrudde, die für die Welttierschutzgesellschaft ein Bärenprojekt in Rumänien betreut. Denn die Mütter und männlichen Alphatiere würden abgeschossen. Die überlebenden halbstarken Bärenjungen machen nun die Siedlungen unsicher. Mehr als 30 Bären, sagt Bissopfer Lörincz Oprea, hat er schon rund um sein Dorf gezählt. „Sie sind überall“, sagt er. Bärendreck liege herum, ihre Spuren seien auf jedem Feld.

 

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